„Partytime“ 🥳
- Nora Klammt
- 24. Feb. 2024
- 5 Min. Lesezeit
Nach 3 Monaten hier, also im Dezember, hatten Margarethe und ich schon mal wieder Lust Abends auszugehen. Natürlich war uns aber bewusst, dass man Abends schon sehr aufpassen muss und es sehr unsicher ist. Deswegen war für uns auch sofort klar, dass wir nirgendwo alleine hingehen würden.
So kamen wir auf die Idee Robin zu fragen, ob er uns begleiten würde. Robin ist auch ein deutscher Freiwilliger hier in Tansania, mit dem wir uns bis jetzt einmal getroffen hatten.
Wir schlugen den 16.12.2023, einen Samstag, vor. Robin meinte daraufhin, dass er Zeit und Lust hätte, aber über das Wochenende Besuch von einem anderen Freiwilligen aus Mwanza bekommt. Für uns stellte das kein Problem dar. Ganz im Gegenteil dachten wir, da es zu viert sich sehr cool werden könnte.
Julius, der Freiwillige aus Mwanza, fand die Idee sofort gut und so trafen wir uns alle am Samstag (16.12.2023) Nachmittag bei Robin zu Hause. Er hat sogar ein kleines, eigenes Haus mit wunderschöner Aussicht auf den Viktoriasee.
Margarethe und ich hatten im Vorfeld schon ein paar Zutaten auf dem Markt besorgt und nachdem wir ein bisschen miteinander gequatscht hatten, machten wir uns ans kochen. Die Jungs halfen auch total gut mit und ich genoss das Beisammensein sehr. Wir hatten im Hintergrund gute Musik laufen und mir wurde bewusst, dass ich es schon vermisse mich mit Freunden zu treffen und was zu unternehmen. Unser gemeinsamer Abend war aber auf jeden Fall ein guter Ersatz ☺️.
Wir kochten Nudeln mit einer Tomatensauce aus dem Gemüse, was wir hier so finden konnten. Robin hatte den Tisch schon sehr schön hergerichtet, als wir mit den dampfenden Töpfen ins Wohn- und Esszimmer kamen. Es brannten 2 Kerzen passend zum zweiten Advent und eine Lichterkette sorgte auch für eine gemütliche Stimmung. Wir aßen und unterhielten und über alles mögliche. Es war echt eine total ausgelassene und entspannte Stimmung und Margarethe und ich öffneten einen Wein. Das war auch nach über 3 Monaten der erste Schluck Alkohol den ich zu mir nahm. Zum Nachtisch gab es dann selbstgemachtes AppleCrumble und improvisiertes Bananenbrot, da wir versehentlich zu viel crumble für die Menge an Äpfeln gemacht hatten. Das war beides super lecker.
Nach dem Essen gingen Margarethe und ich ins Bad und wir machten uns fertig. Wobei man von fertigmachen nicht so wirklich sprechen konnte. Ich zog ein Outfit an, was ich auch so im Alltag tragen würde weil ich nicht wusste, was die Leute hier zum ausgehen so tragen und ich definitiv nicht overdressed ankommen wollte. Mein Make-up und den Lockenstab vermisste ich schon ein bisschen aber ich war glücklich über die Möglichkeit überhaupt abends weggehen zu können.
Robin orderte dann 2 Bodas (Mopeds) und wir fuhren zu einer Location, die Robin rausgesucht hatte. Als wir ankamen, war schon laute Musik zu hören und die Stimmung schien gut zu sein. Die Jungs organisierten einen Tisch für uns und ich ließ erstmal alle Eindrücke auf mich wirken. Ich sah eine ganz neue Seite des Lebens hier. Alle Sorgen des Alltags schienen hier wie weggeblasen uns alle waren gut gelaunt. Es wurde getrunken und Frauen und Männer tanzten miteinander. Viele Frauen hatten auch enge Kleider an, die nicht immer die Knie bedeckten, was ich außerhalb dieser Nacht auch noch nie gesehen hatte. Es war fast wie eine kleine eigene Welt.
Margarethe und ich bestellten uns einen Cocktail und ich genoss das Gefühl seit langem mal wieder Abends draußen zu sein. Die laute Musik die durch meinen Körper floss und die kühle Nachtluft die über meine Haut strich. Ich bin (bis jetzt) noch nicht ganz der größte Fan von Swahili-Musik. Es gibt zwar einige gute Songs aber im Großen und Ganzen hört sich doch alles ziemlich ähnlich an und ich finde es generell cooler, wenn man mitsingen kann, wovon ich bei der Musik hier noch weit entfernt bin.
So unterhielten wir uns erst noch ein bisschen und die nächste Runde Cocktails kam. Doch dann kam zum ersten Mal ein Lied, dass Margarethe und ich kannten. Es war „Nossa“ von Michel Telo. Wir stürmten sofort Richtung DJ Pult und gingen richtig ab 😅.
In diesem Moment war mir total egal, was die anderen von mir denken könnten. Als Weiße wurden wir sowieso schon sehr viel angeguckt und dann waren wir hier gerade die einzigen die tanzten aber ich genoss es einfach mich mal wieder so richtig zu bewegen und meinem Hobby dem Tanzen in gewisser Weise nachzugehen. Als das Lied vorbei war kamen wieder die Swahili-Hits aber wir ließen uns darauf ein und tanzten weiter.
Irgendwann gaben wir den Jungs unsere Taschen und Jacken und erkannten eine größere Fläche, auf der schon einige Leute am tanzen waren. Wir schlossen uns ihnen an und es war super lustig. Wir tanzten alle gemeinsam und hatten einfach Spaß. Teilweise machten die Menschen bestimmte Schritte zu manchen Liedern und wir versuchten einfach mitzumachen. Margarethe und ich wurden auch von einigen Männern angetanzt und wir machten einfach so lange mit bis es uns genug war und entweder gingen wir dann von alleine ein Stück weg oder wir „retteten“ uns gegenseitig indem wir uns gegenseitig ausdrehten und dann zusammen weitertanzten.
Ich fühlte mich die ganze Zeit super wohl und außerdem passten ja auch die Jungs, die am Rand der Tanzfläche standen und sich mit ein paar anderen Leuten unterhielten, auf uns auf.
Irgendwann fing es dann zu regnen an und die Leute stellten sich an den Seiten unter um nicht nass zu werde. Alle, außer Margarethe und mir. Wir tanzen im Regen weiter und ich genoss die kalten Tropfen auf meiner glühenden Haut. Ich schaute in den Himmel und war einfach nur glücklich.
Als wir richtig ausgepowert waren setzten sich Margarethe und ich mit zu den Jungs, die mittlerweile einen Platz in einer Sitzlounge ergattert hatten. Wir quatschten noch über dies und das mit einem Einheimischen, der sich zu uns gesellt hatte. Irgendwann zwischen 3 Uhr und 4 Uhr machten wir uns per Boda wieder auf den Heimweg. Das war auch echt ein Vibe bei Nacht mit dem Moped durch Bukoba zu fahren. Wir kamen heil und erschöpft bei Robin an und verabschiedeten uns auch schon bald ins Bett.
Am nächsten Morgen musste Julius schon wieder früh zurück nach Mwanza. Margarethe und ich bereiteten mit Robin ein richtiges Premium-Frühstück vor. Die Jungs hatten am Tag zuvor ein süßliches „Brot“ gekauft, das ein bisschen wie Milchbrötchen schmeckte und Robin machte Rührei, während ich die Avocado aufschnitt. Nach dem Frühstück brachen auch Margarethe und ich wieder nach Hause auf.
Der Heimweg, den wir mit eine Daladala bestritten, war dann auch noch sehr anstrengend. Als wir einstiegen war nur noch ein Sitzplatz auf einer Bank frei, die kaputt war und schräg hing 🥲. Wir quetschten uns hin und konnten im Vergleich zu den nächsten zugestiegenen froh darüber sein überhaupt einen „Sitzplatz“ abbekommen zu haben. Trotzdem rutschte ich unweigerlich die ganze Zeit nach rechts, wo ein anderer Mann saß. Dieser wurde somit gegen die Tür gedrückt.
Die Fahrt dauerte zudem einiges länger als die halbe Stunde, die wir sonst brauchten. Das lag daran, dass wir alle paar Minuten am Straßenrand anhielten um noch weitere Personen einzusammeln. Jedes Mal dachte ich mir, dass jetzt aber wirklich keiner mehr reinpasst aber immer irrte ich mich. In dem Daladala konnte sich zwar keiner mehr bewegen, aber die Tür ging zu. Meine beiden Beine waren eingeschlafen aber ich konnte sie keinen Zentimeter bewegen. Dem Mann neben mir wurde eine fremde Handtasche in die Hand gedrückt und auf seinem Schoß wurde ein Kind geparkt, dessen Mutter irgendwo im hinteren Teil des Busses verschwunden war.
Nach einer halben Ewigkeit kamen wir dann aber endlich am Nikolaushaus an und holten etwas Schlaf nach. Ich war total erschöpft aber zeitgleich auch sehr froh über die schönen vergangen Stunden. Und wer weiß, wann wir das nächste Mal die Gelegenheit haben Abends auszugehen.









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