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Ausflug nach Morogoro 🛺

  • Autorenbild: Nora Klammt
    Nora Klammt
  • 14. Okt. 2023
  • 5 Min. Lesezeit

In meinem Bericht über den Tagesablauf habe ich ja schon davon erzählt, dass am Freitag jeder Sprachschüler einen kleinen Test schreiben muss. Dieser beinhaltet Wissen aus fünf Lektionen und war rückblickend nicht besonders schwer. Ich hatte 92% aber man hätte auch nicht durchfallen können von daher ist es eh egal 😅. Diesen Test haben wir also in der ersten Woche am Freitag geschrieben und zwar in der Zeit, wo sonst die zweite Einheit stattgefunden hätte. Die dritte Einheit ist dann glücklicherweise weggefallen, weil unsere Lehrerinnen auch wollten, dass wir mal die Innenstadt von Morogoro sehen und da für Samstag ja schon ein Ausflug geplant war, bot sich der Freitag (15.09.2023) Nachmittag gut an.


Für uns bedeutete das, nach 5 Tagen nur auf dem Gelände der Sprachschule zu sein, endlich auch mal einen Blick nach Außerhalb werfen zu können. Bis auf die Fahrt vom Flughafen zur Sprachschule hatten wir ja nicht viel Neues gesehen und so waren wir total gespannt auf das, was uns wohl erwarten würde.


Aus Sicherheitsgründen sollten uns die beiden Lehrerinnen begleiten und so quetschten wir uns zu viert mit dem Fahrer in ein TukTuk, was eigentlich für 3 Personen ausgelegt ist. Da wir so eng aneinander saßen waren gefühlt auch keine Anschnallgurte mehr notwendig, aber die sind in diesen Gefährten sowieso nicht vorhanden 😅.


Das TukTuk mit dem wir gefahren sind kann man sich wie einen Roller auf 3 Rädern vorstellen. Hier sagt man dazu Bajaji. Es gibt ein schmales Gerüst, ähnlich dem einer Rikscha und über diesem befindet sich eine große Plane. Es gibt also auch keine Türen, wie wir sie kennen, sondern die Plane hat an beiden Seiten Reißverschlüsse, mit denen man quasi die “Tür“ öffnen und schließen kann. Sind alle Reißverschlüsse zu bedeutet das aber nicht, dass man nicht trotzdem alle Geräusche hört und den Fahrtwind spürt. Es ist schon sehr aufregend und teilweise auch ein bisschen beängstigend, aber ich vertraue immer schön darauf, dass unsere Fahrer alles unter Kontrolle hat.



TukTuk bzw. Bajaji


Nach ca. 10 Minuten Fahrt befanden wir uns dann auch schon direkt im Zentrum der Stadt. Zunächst fiel erstmal auf, dass es hier viel heißer, als auf dem Gelände der Sprachschule war, obwohl wir nicht lange gefahren sind. Die Luft stand förmlich und alles was ich sah wirkte so, als hätte jemand einen Filter drüber gelegt. Das lag an den Böden, die nicht wie in Deutschland aus festen Stein bestehen, sondern aus rotem Sand, der durch das ganze Treiben aufgewirbelt wird.


Es waren tausend Eindrücke auf einmal. Überall liefen Menschen durcheinander und diverse Fahrzeuge bahnten sich ihren Weg durch dieses Chaos. Ich hörte tausend Stimmen, die mir unbekannte Wörter von sich gaben, Motorgeräusche und hier und da ein Hupen. Über Megaphone liefen von allen Seiten Werbetexte in einer unfassbaren Lautstärke, sodass es unmöglich war sich in der Nähe dieser zu unterhalten. Unsere Lehrerinnen hatten einen Plan und gingen voraus - wir sollten folgen.


Ich versuchte also Schritt zu halten und sie nicht aus den Augen zu verlieren, was bei den ganzen Eindrücken sehr schwierig war. Wir gingen durch viele engen Gassen und ich verlor nach wenigen Minuten den Orientierungssinn. Ich war dankbar, dass Lilly und Emmy dabei waren und mir ein Gefühl von Sicherheit gaben. Tausend Fragen waren in meinem Kopf. Wie soll ich mich verhalten, wenn mich jemand anquatscht? Wie wirke ich auf die Menschen? Wie soll ich gucken? Soll ich Lächeln? Was denken diese Menschen wohl von mir?

Ich habe auch hier wieder viele Blicke auf mir gespürt. Vor allem viele Männer, die mir zuzwinkerten, was ein komisches Gefühl war denn ich wusste, dass ich vermutlich auf meine Herkunft und die damit verbunden Assoziationen und Privilegien reduziert werde. Weiße Menschen werden häufig als Ausländer/ Touristen wahrgenommen und es wird (oft berechtigt) davon ausgegangen, dass sie viel (oder zumindest viel mehr) Geld haben. Viele Kinder guckten ganz interessiert und manche winkten mir auch zu, was ich lächelnd erwiderte. Unser Weg führte uns weiter an vielen Ständen vorbeikommen, wo man von Zahnbürste über Kleidung bis hin zu Spielsachen, alles finden konnte.


Eine Sache fiel mir sofort auf, als wir die vielen Stände passierten. Alle Sachen, die verkauft wurden sahen schon total gebraucht aus. Vergleichbar mit so manchen Sachen in Second-Hand- Läden oder auf dem Flomarkt in Deutsch. Eben so, wie wenn ich ein ausgewaschenes T-shirt aussortiere, da ich entweder sowieso genug habe oder mir eh wieder ein Neues kaufe. Dieses T-Shirt hing bildlich sozusagen hier und viele Menschen überlegten, ob sie es wirklich brauchen. Ob sie das Geld dafür übrig haben. Und das war nicht nur mit den Klamotten so, denn auch die Spielsachen machten den Eindruck als hätten sie schon viele Besitzer gesehen…


Wir leben so sehr im Überfluss und verlernen den Wert der Dinge wertzuschätzen. Es ist ein stetiger Druck immer höher, schneller, weiter zu sein, aber dass durch unseren Egoismus andere Menschen leiden müssen verlieren wir total aus dem Blick. Ich kann mir manchmal immer noch nicht vorstellen, dass einige Menschen hier wirklich so leben und dass sie von zB. Europa nur einiges hören, aber es nie erlebt haben und vielleicht auch nie erleben werden.

Ich kann mehr als dankbar dafür sein, in Deutschland geboren zu sein und dementsprechend viele Privilegien zu besitzen. Aber wieso ich? Wieso ist mein Leben so anders im Vergleich zu einem  Leben hier? Und wieso muss die Schere so groß sein? Wieso können wir uns nicht nur mit der Hälfte zufrieden geben damit andere Menschen überhaupt etwas besitzen?


Ich habe mich teilweise irgendwie schlecht gefühlt weil ich nicht wusste, was die Menschen von mir denken. Ich habe auch keine Fotos gemacht da ich nicht wollte, dass ich jemanden damit verletzen könnte. Es hätte sich falsch angefühlt mein Handy rauszuholen und die Menschen wie Objekte zu fotografieren.


Unser erster Halt war ein Supermarkt, der laut unseren Lehrerinnen normale Preise hatte. Ich wusste nicht, was mich hinter dieser Tür erwarten würde, aber als ich eintrat war ich total überrascht. Der Laden war sehr klein, vergleichbar mit einem großen Kiosk in Deutschland und die Gänge so schmal, dass man gerade so aneinander vorbeigehen konnte. Die Regale reichten bis unter die Decke und waren bis obenhin komplett zugestellt. Es passten kaum Menschen in diesen Laden und teilweise musste man stehenblieben, wenn vor und hinter einem jemand was aus einem Regal nahm, da man Angst hatte, man würde irgendwas runterreißen, wenn man sich jetzt vorbeiquetschen würde. Als wir den Laden wieder verließen wollten wir zu einem Laden um neue mobile Daten zu kaufen.


Auf dem Weg zu diesem Laden fuhr ein Bajaji an uns vorbei, in dem sogar mehr als 6 Personen saßen, naja, saßen kann man schon nicht mehr sagen. Wir erinnern uns daran, dass in ein Bajaji inklusive Fahrer 3 Menschen gemütlich Platz finden 😅.

Für einen Teil des Weges richtete ich meinen Blick auf den Boden, da die tausend Eindrücke mich überforderten. Erst dann viel mir so richtig auf, wieviel Müll hier überall rumlag. Überall roter, sandiger Boden und überall Müll und trockene Sträucher. Dann betraten wir den Laden und kümmerten uns um neue mobile Daten.


Als wir den Laden wieder verließen hatte ich mich schon total an die neue Umgebung gewöhnt. Wir gingen wieder an vielen Ständen vorbei und Margarethe und ich kauften sich jeweils ein Armband und ein Fußkettchen. Das Armband war aus vielen Perlen selbstgeknüpft, welche die tansanische Flagge bildeten. Es sah aber, so wie es da lag extrem klein aus, also so, als würde es nicht über meinen Hand passen. Es hatte keinen Verschluss und musste somit über die Hand gestülpt werden. Die Verkäuferin nahm es und zerrte es mit aller Kraft über meine Hand um zu zeigen, dass es doch passt. Als es dann einmal saß fand ich es auch echt schön und außerdem konnte ich mir auch nicht vorstellen, es wieder abzubekommen 😅 weswegen ich es dann schließlich kaufte. Den Preis verhandelten unsere Lehrerinnen für uns. Dann fuhren wir mit dem Bajaji wieder zur Sprachschule und auf dem Rückweg kam mir jetzt schon vieles bekannt vor. Alles wirkte für mich auf einmal so normal und wenn ich an meine gewohnte Umgebung in Deutschland dachte konnte ich mir schon vorstellen, dass ich auch einen richtigen Kulturschock erleben werde, wenn ich wieder zurück komme.


Nächste Woche berichte ich über einen weiteren Ausflug :)



hier noch ein paar Eindrücke aus Morogoro:


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Cornelia Marschall
Cornelia Marschall
14. Okt. 2023
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Hi,

ich bin Gabriel, der Sohn von Margarethe’s Tante Cornelia. Ich finde deinen Blog mega gut und lese ihn sehr gerne!


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