Fitnessstudio und die nächtliche Taxifahrt 🌙
- Nora Klammt
- 6. Jan. 2024
- 6 Min. Lesezeit
Mittlerweile fahren Margarethe und ich so gut wie jede Woche nach Bukoba. Dort holen wir dann meist ein Kleidungsstück ab und geben ein Neues in Auftrag. Außerdem gehen wir zum Supermarkt um ein paar überteuerte Kekse zu kaufen 😅. Am 14.11.2023 hatten wir uns dann übrigens mit Robin, also einem anderen deutschen Freiwilligen getroffen. Seine Nummer hatten uns ein paar Dänen auf dem Markt gegeben, nachdem sie erfahren hatten, dass wir auch aus Deutschland kommen. Mit ihm waren wir dann Bukoba in einem Café/Restaurant was im Vergleich zu den meisten anderen Cafés hier in der Stadt in meinem Augen sehr nobel und verhältnismäßig teuer ist. Außerdem trifft man dort irgendwie immer Weiße, also ist es sozusagen der Weißen-Hotspot hier 😂.
An das Café grenzt ein kleines Fitnessstudio an, welches Robin, so erzählte er uns, nahezu täglich besucht. Das war meine Chance herauszufinden, ob es hier eine Möglichkeit zu Tanzen gibt. Seit ich hier bin hoffe ich immer darauf eine Möglichkeit zu finden meinem Hobby zumindest ein bisschen nachzugehen. Nachdem wir gegessen hatten sprachen wir mit einem Trainer und vereinbarten einen Termin für den kommenden Dienstag. Der Trainer erzählte irgendwas von einem Zumba Kurs, was sich erstmal gut anhörte.
So brachen Margarethe und ich eine Woche später, also am 21.11.2023, erneut nach Bukoba auf. Da zum ersten Mal keine Besorgungen für das Nikolaushaus zu machen waren sollte an diesem Tag kein Auto in die Stadt fahren. Clemence sagte uns, als wir bereit zur Abfahrt da standen, dass wir heute den Bus nehmen könnten. Da er unsere fragenden Blicke wahrnahm erklärte er uns, dass wir nur am Straßenrand stehen müssten um die Hand rauszustrecken, sobald ein Bus vorbeifährt. Klangt ungewohnt, aber machbar.
Da es so, wie gerade gefühlt jeden Dienstag regnete, borgte uns Clemence seinen Regenschirm aus und wir liefen los. An der Straße vor dem Nikolaushaus sind keine Bürgersteige vorhanden und so hielten wir uns möglichst am Rand der Fahrbahn und bei jedem Geräusch, was von hinten näher zu kommen schien, drehten wir uns um. Zunächst waren es aber fast ausschließlich nur Motorräder, die sich von hinten näherten und an uns vorbei rauschten. Einmal schoss auch ein LKW in einem Affenzahn an uns vorbei. Ich erschrak total, denn er fuhr total dicht neben uns vorbei und das, obwohl auf der entgegengesetzten Fahrbahn gerade niemand kam. Zudem wurden wir ordentlich nass, da seine Räder durch eine riesige Pfütze rollten und das Wasser aufwirbelten.
Irgendwann erspähten wir dann einen Bus. Es ist übrigens nicht so ein Linien- oder Reisebus, wie ihr ihn euch vielleicht gerade vorstellt, sondern eine Art Kleinbus. Hier werden sie Daladalas genannt. Die Daladalas werden von Privatpersonen betrieben und verkehren ohne Fahrplan auf festen nummerierten Routen. Oft ist die originale Innenausstattung demontiert und mit platzsparenden Eingebauten bestückt. Wir wedelten kurz mit unserem geborgten Regenschirm, woraufhin das Fahrzeug in Richtung unseres Fahrbahnrandes blinkte und kurz darauf vor uns hielt. Das bedeutet, dass sie für uns noch einen Platz frei hatten. Das war ja einfacher als gedacht. Ein Mann gab uns zu verstehen, dass einer vorne, und einer hinten einsteigen sollte. Da Margarethe lieber nach hinten wollte begab ich mich nach vorne und auf den Beifahrersitz, wo schon ein weiterer Insasse Platz gefunden hatte. Es war ein bisschen eng, aber als ich einen Blick nach hinten warf konnte ich mit meinem Platz doch ganz zufrieden schätzen. Margarethe saß gequetscht zwischen einer Frau mit Kleinkind und einer anderen Frau, die einen riesigen Rucksack auf dem Schoß hatte.
Die Fahrt verlief reibungslos. Aus dem Radio tönte leise Musik und der Regen prasselte auf das Fahrzeug. An mir zog die Landschaft nur so vorbei. Verstreut liegende Häuschen aus Ziegeln oder Beton und mit Wellblech bedeckt. Hier und da zeigen sich auch Häuser nach traditioneller Lehmbauweise. Ein leichter Windzug strich mein Gesicht und ich verlor mich in meinen Gedanken. Mal wieder war es für mich das Schönste überhaupt gerade hier sein zu dürfen. Ich genoss diesen Moment ganz bewusst. Ein Moment in dem nicht relevant war, dass ich hier nicht für immer sein werde, sondern in dem zählte, dass ich gerade hier bin. Ich lebe wirklich meinen Traum und ich bin unfassbar dankbar für die Möglichkeit hier sein zu können. Für die Möglichkeit die Welt und mich selbst ein bisschen besser verstehen zu lernen. Die Möglichkeit in eine neue Kultur einzutauchen, neuen Menschen zu begegnen, miteinander zu leben, voneinander zu lernen und füreinander da zu sein.
Spätestens als wir mitten in der Stadt an einem Busplatz ankamen wurde ich aus meinen Gedanken gerissen. Sofort kamen mehrere Männer auf uns zu, die uns mit ihren Mopeds transportieren wollten. Wir kämpften uns durch die Menschenmassen vor zur Hauptstraße. Dort angekommen, versuchten wir uns erstmal so orientieren. Zu Fuß machten wir uns auf zu dem Restaurant inklusive Fitnessstudio. Dadurch, dass wir an einer anderen Stelle als gewöhnlich ausgestiegen waren liefen wir auf Wegen, die wir vorher noch nicht gegangen waren. Immer wieder tauchten am Straßenrand Stellen auf, die ich schonmal gesehen hatte und somit bekam ich so langsam einen besseren Überblick. Es verbunden sich viele Punkte miteinander, an denen ich schon war und somit wirkt die Stadt auf mich auch nicht mehr so groß und unübersichtlich. Ja, so langsam finde ich mich hier immer besser zurecht.
Im Restaurant angekommen genehmigten wir uns ein zeitiges Mittagessen, was bei uns, wie eigentlich fast immer, aus Burger und Pommes besteht. Das ist wirklich ein richtiges Wochen-Highlight. Nachdem wir aufgegessen und das gratis WLAN ein bisschen genutzt hatten, machten wir uns auf den Weg zum Markt.
Dort angekommen holte ich ein wunderschönes neues Kleid ab und gab mit einem weiteren Stoff wieder ein Neues in Auftrag. Anschließend schlenderten wir noch ein bisschen über den Markt bis wir uns schließlich auf den Weg zum Fitnessstudio machten. Da wir noch etwas Zeit hatten machten wir einen Zwischenstopp bei einer Juice-Bar und tranken einen frisch gepressten Mangosaft. Der war super lecker!
Dann wurde es Zeit ins Fitnessstudio zu gehen und wir gingen in die „Umkleidekabine“, welche hier ein großer leerer Raum war an den eine kleine Sauna und Duschen angrenzten. Fertig umgezogen beschlossen wir erstmal etwas aufs Laufband zu gehen bis es losgehen würde. Wir wussten weder wer unser Trainer/ unsere Trainerin sein wird, noch wie viele andere Leite noch da sein werden. Wir hatten dann die Befürchtung, dass wir nur zu zweit mit dem Trainer sein würden, den uns Robin letzte Woche vorgestellt hatte. Er heißt Trainer Mike und die Tatsache, dass Trainer Mike der nächste war, der in diesem Studio auftauchte und weit und breit keine anderen Menschen zu sehen waren wurde uns klar, dass wir tatsächlich nur zu dritt sind.
Bevor es ans Tanzen ging sollten wir 10 Minuten auf dem Rudergerät machen. Ich war sehr gespannt auf das Zumba Tanzen aber konnte mir noch nicht ganz vorstellen, dass wir jetzt gleich eine richtige Zumba-Stunde haben werde. Hatten wir dann auch nicht 😅🥲.
Trainer Mike machte ausschließlich Fitnessübungen zur Musik. Dazu kam, dass er für mein Empfinden zu wenig und zu kurze Pausen machte. Ich hatte zwischenzeitlich das Gefühl ich hätte einen Privattrainer für ein extremes Fitnessprogramm gebucht 🥲. Es war echt extrem anstrengend und wir waren froh, als wir nach anderthalb Stunden fertig waren. Mit Zumba hatte das Ganze in meinen Augen wenig zu tun aber naja. Wir beschlossen, dass wir das nächste mal lieber selbst für uns in dem Raum etwas tanzen.
Dann war es auch schon höchste Zeit um zurück zum Nikolaushaus zu fahren und wir gingen zum Taxistand. Wir verhandelten den Preis und stiegen ein. Natürlich mit der Gewissheit, dass neben dem Fahrer auch noch 3 weitere Personen einsteigen würden. Als wir dann schließlich zu sechst in dem Taxi saßen konnte es losgehen. Fahrer und Beifahrer vorne und wir mit 2 weiteren Personen hinten auf der Rückbank gequetscht.
Nach ein paar Minuten Fahrt hielten wir dann am Straßenrand und eine weitere Person stieg ein und zwar vorne. Sie saß halb auf dem Beifahrersitz und halb auf der Mittelkonsole. Bis zu diesem Moment hatte ich gedacht, dass wir mit einem Schaltwagen fahren aber das schoss sich jetzt aus. Ich fand es sehr amüsant, dass wir nun zu siebt in diesem eher kleineren Auto saßen und machte meiner besten Freundin ein Audio in dem ich nochmal durchzählte und erklärte, wer wo sitzt. Dann sagte ich noch, dass es im Kofferraum bestimmt bequemer, als hier gequetscht auf der Rückbank wäre und mein Blick schwiff nach hinten. Und dort entdeckte ich tatsächlich noch zwei Insassen, die neben einigen Kisten hockten. Ich hatte sie vorher garnicht bemerkt, aber somit waren wir nicht zu siebt, sondern zu neunt in diesem Auto. Margarethe, ich und 7 Männer 😅. Die Fahrt verlief aber wie immer gut und wir landeten wohlbehalten im Nikolaushaus nach einem erlebnisreichen Tag.
Die nächsten 3 Tage hatte ich übrigens heftigen Muskelkater also effektiv war das Training allemal 😅.















Kommentare