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Von der Sprachschule zur Einsatzstelle 🚎

  • Autorenbild: Nora Klammt
    Nora Klammt
  • 11. Nov. 2023
  • 8 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 6. Jan. 2024

Am Freitag (22.09.2023) stand nach dem wöchentlichen, kleinen Test eine Abschlussfeier für uns Sprachschüler an. Wir hatten jetzt knapp 2 Wochen Swahili gelernt und das sollte gefeiert werden. Am Nachmittag war draußen alles mit bunten Luftballons geschmückt und es lief fröhliche Musik. Es waren alle Lehrer da und zunächst wurde jeder von uns einzeln nach vorne gerufen und es wurde uns ein Zertifikat überreicht. Alle jubelten, applaudierten und freuten sich mit uns. Dann gab es noch Kuchen, Eis und selbstgemachte Chips. Vor allem das Eis schien hier ein richtiges Highlight für die Lehrer zu sein, denn sie hatten schon mehrere Tage im Voraus davon geschwärmt 😅.



Nach der Feier beschlossen wir noch bis zum Abendessen zu bleiben um dann mit vollem Buch aufzubrechen. Unser Flieger sollte zwar erst am Samstag (23.09.2023), also am nächsten Morgen um 9:40 Uhr abheben, aber da wir nicht wussten, wie die Busse in der Nacht fahren, schien es für uns das Beste noch am Abend aufzubrechen. Somit hatten wir also genug Puffer für alle Eventualitäten und malten uns schon aus wie wir bestimmt mindestens 6 Stunden noch am Flughafen chillen würden. Ja, dass es doch so knapp werden würde hätten wir in diesem Moment auch nicht gedacht 😢😅.


Wir brachen seelenruhig um 19 Uhr nach dem Abendessen auf. Wieder schwer beladen mit jeweils zwei 23-Kilo-Gepäckstücken, den Ukulelen und dem Handgepäck. Hinzu kamen jetzt auch noch 2 schwere Swahili-Ordner. 2 Bajajis kamen und brachten uns und unser Gepäck nach Mororgoro zur Bushaltestelle. In dem einem saßen wir und in dem anderen fand unser Gepäck Platz. Es war stockduster und die Fahrt irgendwie extrem aufregend weil wir nicht so ganz wussten wie genau wir jetzt zum Flughafen gelangen würden. Wir gingen davon aus, dass wir wieder mit der Buslinie fahren würden, mit der wir auch hergekommen waren. Unsere Lehrerin Lilly war glücklicherweise dabei.

In Morogoro angekommen stiegen sowohl der Fahrer als auch Lilly aus uns unterhielten sich mit mehreren Männern auf Swahili. In diesem Moment hatte ich ein bisschen Angst, dass unser Gepäck nicht da ankommt wo wir gerade sind. Es war alles sehr laut und wuselig und schließlich parkten wir nochmal um und kurz danach hielt auch das Bajaji mit unserem Gepäck neben uns 😅.

Um in den Busbahnhof zu gelangen musste man schon etwas bezahlen was zunächst Lilly für uns regelte. Wir folgten ihr und versuchten dabei nicht den Mann aus den Augen zu lassen, der unser Gepäck auf einem Wagen schob. Lilly blieb irgendwann stehen und so stoppten auch wir. Kurze Zeit später sahen wir auch schon einen Bus kommen, der nach Daressalam fahren sollte, also genau dahin, wo wir hinmussten. Wir waren allerdings nicht die einzigen, die hier warteten. Ganz im Gegenteil. Der Bus war noch nichtmal zum stoppen gekommen und schon liefen Massen an Menschen auf diesen zu. Nachdem die Insassen ausgestiegen waren war der Bus auch wenige Sekunden später schon wieder voll und trotzdem stand da noch eine riesige Menschenmenge, die nicht mehr mit reingepasst hatte, inklusive uns. Als ich Lilly frage, wann der nächste Bus kommen würde antwortete sie nur, dass man sowas hier nicht weiß und dass es sowieso ungewiss ist, ob wir in diesem dann einen Sitzplatz finden. So hieß es also erstmal warten.


Somit nahm ich meinen Umgebung jetzt noch mehr wahr. Es war ja wie gesagt extrem voll und somit auch sehr laut. Sobald irgendwo ein Bus auftauchte kamen von allen Seiten neben den Menschen, die hofften einstiegen zu können auch welche, die riesige Körbe auf ihren Köpfen trugen. Sie hofften ihre Ware auch durch die Fensterscheiben zu verkaufen. Auch langsam fahrenden Bussen wurden verfolgt um Bananen, Kekse, Wasser oder geflochtene Körbe loszuwerden. Zudem sah ich auch immer wieder Menschen extrem nah vor den Bussen vorbei huschen. Für meine Begriffe war es ein Wunder, dass hier niemand zu Schaden kam vor allem bei den Versuchen in fahrende Busse noch einzusteigen oder wohl eher gesagt reinzuspringen oder eben noch schnell rausspringen.

Nicht nur den Menschen in den Bussen wurde diverse Ware angeboten auch wir wurden regelrecht belagert. Lilly stand zwar in unserer Nähe aber hielt sich zurück - schließlich sollten wir ja auch bald auf uns allein gestellt sein. Vor allem viele junge Männer kamen zu uns und stellten sich teilweise so nah neben uns, dass es schon unangenehm wurde. Ich hörte oft das Wort „Rafiki“ was so viel wie Freund bedeutet und nahm war, dass sie etwas verkaufen wollten. Ich ging dann einfach entspannt einen Schritt zur Seite und machte dann auf Englisch deutlich, dass wir keine Freunde sind und dass ich nichts kaufen möchte 😅. Also ich habe mich sehr höflich ausgedrückt und ich hatte auch oft das Gefühl, dass viele auch einfach nur einmal mit einer weißen Person gesprochen haben wollten und so führte ich dann so lange Smalltalk bis sie mir zu aufdringlich wurden.

Man hat auf jeden Fall wieder wahrgenommen, dass man einfach auffällt. Ich nahm viele offensichtliche Blicke wahr. Egal wo ich hinguckte - irgendjemand gucke immer. Auch die Blicke der Menschen aus den vorbeifahrenden Bussen blieben an uns haften bis wir aus ihrem Blickfeld verschwanden.

Durch die vielen Eindrücke verging die Zeit relativ schnell und so waren schon anderthalb Stunden vergangen als Lilly schließlich auf einen Bus zuging und wild diskutierte. Also Bus ist schon sehr großzügig ausgedrückt, denn es war nicht so ein Reisebus, wie wir ihn von der Hinfahrt kannten und auch nicht vergleichbar mit einem Linienbus in Deutschland. Es war eine Art Kleinbus und wir überlegten wie dort auch noch unser ganzes Gepäck reinpassen sollte, denn der Bus schien eigentlich schon so gut wie voll zu sein. Lilly signalisierte uns dann aber, dass wir einstigen sollen und es kamen mehrere Männer die mit Mühe und Not unser Gepäck in den Bus hieften.

Als wir in den Bus einstiegen zeigte Lilly auf die letzte Reihe in der noch Platz war. So gingen wir nach hinten durch und nahmen Platz. Das Handgepäck und die Ukulele verstauten wir im Fußraum vor uns. Als Lilly fragte ob wir bequem sitzen würden nickten wir nur höflich aber ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen so die nächsten 5 Stunden zu sitzen. Aber wir hatten keine andere Wahl 😅.

Der Kleinbus hatte auf der einen Seite immer eine Doppelbank und auf der anderen Seite einen Einzelplatz. In der Mitte befand sich ein Gang durch welchen wir in die letzte Reihe gelaufen waren. Die letzte Reihe bestand aus 4 Plätzen und somit endete dort der Gang. Das war zumindest der Stand bevor wir losfuhren…

Denn auf einmal sah ich meinen großen Rucksack in den Händen eines Mannes und er legte ihn in den Gang gefolgt von Margarethes Rucksack. Und danach kam das Highlight.

Denn es war nicht nur, dass nun unsere Rucksäcke den Gang versperrten sondern auf einmal verschwand der Gang ganz. Sobald die letzte Reihe saß wurde ein Sitz in den Gang geklappt, der an der Doppelbank befestigt war. Und sobald in dieser Reihe alle saßen wurde in der Reihe davor wieder ein Sitz in den Gang geklappt. Der Gang verschwand also mit der Weile und es entstanden viele vierer-Reihen hintereinander.

Ich saß in der allerletzten Reihe hinten rechts am Fenster und war somit am weitesten von der Tür entfernt. Es schien also unmöglich nochmal auszusteigen um Lilly das Geld für die Busfahrt und dem Fahrer die Fahrtkosten zurück zu geben. Und so bezahlte ich noch schnell aus dem Fenster heraus und dann rollte der Bus auch schon los.



Es war super eng und ich bemerkte auch wie verwöhnt ich mit dem Sitz in dem anderen Bus gewesen war. Es war wirklich ziemlich unbequem und dadurch, dass wir sehr viele Menschen auf engen Raum waren wurde es auch sehr schnell warm. Im Hintergrund liefen wie so oft Musikvideos und ich hoffte, dass die 5 Stunden Busfahrt schnell vorbei gehen würden…

Ich war so kaputt, dass ich nach wenigen Minuten einschlief. Als ich nach einer guten Stunde wieder aufwachte teilte mir Margarethe mit, dass wir uns bis jetzt kaum fortbewegt hatten. Wir standen in einem sehr großen Stau aber noch waren wir entspannt weil wir ja genug Puffer eingeplant hatten.

Das änderte sich aber dann als wir nach 8 Stunden Fahrt erst bei der Hälfte der Strecke waren. Planmäßig sollte die gesamte Fahrt nur 5 Stunden dauern.

Nun hatten wir die Befürchtung unseren Flug zu verpassen aber ändern konnten wir ja auch nichts. Wir standen dauernd auf der Stelle und bewegten uns alle 15 Minuten minimal vor. Viele Leute stiegen aus den Fenstern (da ja kein Gang mehr zu Tür vorhanden war) um sich die Beine zu vertreten oder die Buschtoilette aufzusuchen. Wir hatten extra versucht die ganze Fahrt nicht sonderlich viel zu trinken damit wir nicht auch durch die Fenster klettern müssen um uns dann vor den Augen aller am Straßenrand ins Gebüsch zu hocken. Wir waren auch so schon eine große Attraktion 😅.

Wir dachten dann, dass wir ja mal jemanden über unsere aktuelle Lage informieren könnten aber wie es der Zufall so wollte befanden wir uns natürlich in einem Funkloch.


An einem Punkt wussten wir ganz genau, dass wenn wir jetzt noch länger im Stau stehen würden  wir den Flug auf jeden Fall verpassen. Aber dann passierte das Unglaubliche und wir fuhren die letzten 2 Stunden durch. Wir kamen an der Busstation an und als wir aussteigen waren einige Männer schon dabei unser Gepäck in einem Taxi zu verstauen, welches Lilly freundlicherweise für uns im Voraus organisiert hatte. Zumindest vermuteten wir das.

Die Männer, die uns mit dem Gepäck geholfen hatten bettelten nun um Geld aber unser Fahrer signalisierte uns nur, dass wir schnell einsteigen sollten. Nach ein paar Minuten Fahrt vergewisserte ich mich dann, dass er weiß wo er uns hinfahren soll.


Für uns war es wieder das reinste Chaos denn schon als wir das Busgelände verließen hatten wir mehrmals das Gefühl, dass gleich ein Unfall passieren wird. Wir fuhren ca. eine halbe Stunde bis zum Flughafen und es kam wieder Hoffnung hoch, dass wir doch noch rechtzeitig da sind.


Wir fuhren sehr schnell über Wege aus rotem Sand, welcher durch die vielen Autos aufgewirbelt wurde. Man konnte also kaum noch die Straße, geschweige denn den Gegenverkehr überholen sehen. Wir und andere Verkehrsteilnehmer wagten (in meinen Augen) gefährliche Überholmanöver. Das eine mal überholten wir in einer Kurve und da man nicht sehen konnte ob jemand entgegen kommt, hupte unser Fahrer einfach durchgängig als Warnung.

Irgendwann kamen wir auch endlich am Flughafen an und wollten schnell bezahlen um keinen Zeit zu vertrödeln. Es gab aber ein kleines Problem denn der Fahrer hatte während der Fahrt gesagt, dass wir jeder 50.000 Tsh (tansanische Schilling) bezahlen sollen. Ich hatte allerdings 15.000 Tsh Schilling verstanden, was in meinen Augen auch viel mehr Sinn machte. Als ich ihm die Scheine dann hinreichte signalisierte er mir, dass noch etwas fehlt. Mir war in diesem Moment aber absolut klar, dass er uns abziehen will. Glücklicherweise konnte ich mittlerweile einschätzen, wie viel eine halbe Stunde Taxi fahren kostet und seine Preisvorstellung war utopisch. Ich wusste also, dass pro Person 15.000 Tsh also insgesamt 30.000 Tsh für die Leistung berechtigt sind aber niemals die 100.000 Tsh die er von uns zusammen verlangte. Der Fahrer wollte nicht nachgeben aber ich bliebt stur. Ich sagte nur immer wieder, dass ich mich nicht abziehen lasse und irgendwann wollte er dann wenigstens 50.000 Tsh weil wir ja Weiße sind. Dann rief er jemanden an, der im Gegenteil zu ihm Englisch sprach und von dem er anscheinend erwartete, dass er uns sagen würde, dass wir ihm das geben sollen, was er sagt. Witziger Weise sagt die Stimme am Telefon uns dann aber, dass wir auf keinen Fall mehr als 40.000 Tsh bezahlen sollen 😅. Damit konnten wir leben und so gab ich ihm die Scheine und auch wenn er ganz traurig guckte bedankte ich mich freundlich. Er machte keine Anstalten uns noch bei dem Gepäck zu helfen also öffneten wir eigenständig den Kofferraum, nahmen unsere ganzen Sachen und verabschieden uns.


Wir mussten schnell in das Gebäude und hofften, dass uns die Zeit des Diskutierens mit dem Fahrer nicht am Ende fehlen würde. Wir waren echt ziemlich im Stress und vor der Sicherheitskontrolle mussten wir dann erstmal unseren Reisepass zeigen. Der Mitarbeiter gucke seelenruhig erst mich und dann meinen Reisepass an. Dann hörte ich ein „Wow. You are so pretty.“ Er ließ den Blick nicht mehr von mir aber ich wollte einfach nur meinen Reisepass wieder und schnell zum Gate. Irgendwann löste er dann doch seinen Blick und wir konnten weiter gehen. Auch hier kamen viele Mitarbeiter auf uns zu, die uns in irgendwelche Geschäft begleiten wollten.


Wir gingen aber schnurstracks durch die Sicherheitskontrolle und gaben unser Gepäck auf. Dann zum Gate und wenig später hoben wir auch schon ab. Wir hatten es also tatsächlich doch noch geschafft 😅. Da es ein Inlandsflug war, war die Maschine auch relativ klein und wir machten sogar einen Zwischenstopp in Mwanza wo ein paar Menschen ausstiegen. Nach insgesamt 2 einhalb Stunden landeten wir dann in Bukoba und nahmen unser Gepäck entgegen. Der Flughafen war winzig und es gab auch nur ein Band auf dem das Gepäck langfuhr. Draußen wartete auch schon Njunwa, ein Mitarbeiter auf uns, der uns herzlich begrüßte. Mit ihm fuhren wir nun also noch ca. eine halbe Stunde bis zur Einsatzstelle.








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