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Das erste Mal Bukoba 🚐

  • Autorenbild: Nora Klammt
    Nora Klammt
  • 9. Dez. 2023
  • 7 Min. Lesezeit

Am Dienstag den 03.10.2023 entschieden wir uns zum ersten Mal mit in die Stadt zu fahren. Jeden Dienstag fahren 2 Mitarbeiter aus dem Leitungsteam nach Bukoba um die wöchentlichen Erledigungen zu machen. Bukoba ist die nächst größere Stadt und eine halbe Stunde Autofahrt hier vom Nikolaushaus entfernt.

Wir standen also (typisch deutsch) pünktlich um 9 Uhr neben dem Auto. Weit und breit war keiner zu sehen, bis 15 Minuten später Schwester Celestina, eine aus dem Leitungsteam, auftauchte. Sie sagte uns, dass wir demnächst losfahren und sie noch guckt, ob noch jemand von den Mamas mitkommen möchte. Also ganz nach dem Motto „No hurry in africa“. Kurz vor 10 Uhr stiegen dann alle, die mitwollten, in den Toyota Landcruiser und wir fuhren los. Das Auto hatten hinten nicht mehrere Reihen hintereinander sonder 2 lange Sitzreihen, die sich angucken. Man fuhr also seitwärts.

Als wir ca. 10 Minuten unterwegs waren bekam Njunwa aus dem Leitungsteam, der am Steuer saß, einen Anruf und kurz danach wendete er und wir fuhren zurück zum Nikolaushaus. Dort angekommen sammelten wir noch eine weitere Ordensschwester ein, die auch noch mitwollte.


Mit uns in Auto saßen neben Njunwa und den beiden Schwestern auch noch 4 Kinder aus dem Nikolaushaus. Die 3 Mädchen Agnes, Edina und Ellieth die um die 15 Jahre alt sind und der 7 jährige George. Wir wussten nicht genau den Grund dafür aber hinterfragten es auch nicht.



In Bukoba angekommen hielten wir oft am Straßenrand und die eine Schwester stieg mit den 3 Mädchen aus. Sie guckten an den Straßenständen nach Schuhen, Rucksäcken und Klamotten und wurden auch fündig. In der Hand der Schwester sah ich eine Liste und als sie diese einsteckte, schien wohl alles, was die Mädchen brauchten, besorgt zu sein. Ich verstand danach nur, dass wir jetzt zur Schule fahren würden. Ein bisschen wunderten wir uns schon, denn schließlich war es jetzt schon Mittags und wir konnten uns nicht vorstellen, dass erst jetzt die Schule beginnt. Auf jeden Fall bogen wir irgendwann von der Hauptstraße ab und kamen auf einen holprigen Weg. Straße konnte man das schon wirklich nicht mehr nennen, denn es sah für mich eher wie ein steiniger, abenteuerlicher Wanderweg aus 😬😅. Das sah wirklich nicht befahrbar aus, aber da mussten wir jetzt hoch. Es war auch extrem steil, aber unser Fahrer Njunwa gab sein Bestes.

Es war eine sehr aufregende Fahrt und irgendwann kamen wir oben an und wenig später konnten wir auch schon ein Schulgelände erkennen. Dort angekommen stiegen die Mädchen mit der Schwester aus und kamen nach ca. einer halben Stunde wieder und holten jede eine Box aus dem Auto, in welche sie auch ihre neu gekauften Sachen verstaut hatten. Jetzt erst begriffen wir, dass diese Mädchen hier jetzt für etwas länger bleiben würden und als wir das begriffen winken wir noch zum Abschied. Als die Schwester wieder im Auto saß erklärte sie uns, dass die Mädchen bis Dezember in dem Internst sein würden. Denn zum Januar beginnt das neue Schuljahr aber da sie schon im August die Abschlussprüfung an ihrer Schule absolviert hatten, sollten sie als Überbrückung so lange auf das Internat gehen. Als wir das erfuhren winkten wir noch mal heftig durch das Fenster und waren echt ein bisschen traurig. Gerade Edina hatte ich in meinen ersten 2 Wochen hier sehr lieb gewonnen, da sie gleich total offen war und mir half neue Vokabeln zu lernen.


Danach fuhren wir dann aber zum Markt. Dieser erstreckte sich auf einer großen Fläche von rotem Sand der auch nicht immer eben war. Teilweise ragen auch Steine aus dem Boden und man muss irgendwie schon aufpassen, wo man hintritt. Der Markt hier ist in verschiedene Kategorien eingeteilt.

Es gibt ein großen Bereich mit Obst und Gemüse, eine Ecke für Fisch und Fleisch und anderswo kann man alles andere an Lebensmitteln (was es hier so gibt) kaufen.


Dann gibt es Stände mit allem möglichen Zeug, wo man von der Trommel über Kochlöffel bis hin zum geflochtenen Korb alles kaufen kann. In einem weiteren Abschnitt gibt es unzählige Stoffläden und viele Frauen sitzen hier hinter einer Nähmaschine und schneidern die schönsten Kleidungsstücke. Lebensmittel wie Käse oder Jogurt gibt es hier fast garnicht und generell gibt es weder auf dem Markt noch in den kleinen Supermärkten Kühlregale.



Mittlerweile haben wir durch Zufall aber mitbekommen wie sich eine Person im Supermarkt aus einem der 3 Kühlschränke, die dort stehen, etwas rausgenommen hat. Vorher haben wir diese Kühlschränke nie beachtet aber dann fielen sie uns auf und wir begriffen, dass man sich aus dem Kühlschrank mit Käse und Wurst bedienen kann. Die Sachen sind zwar sehr teuer aber so genehmigten wir uns jetzt nach 3 Monaten hier auch mal ein Stück Käse. Das hat unfassbar gut geschmeckt, auch wenn es nur ein gewöhnlicher Gouda war 😅☺️.


Weiter zum Markt.

Auf einer großen Fläche befanden sich unzählige Bananenstauden durch die man sich seinen Weg bahnen musste. Ein paar Schritte weiter lagen große Planen auf dem Boden auf welchen sich Haufen von Zwiebeln und Knoblauch befanden. Inmitten dieser Haufen saß eine Person, die die Ware verkaufen wollte.



Wir folgten zunächst der Schwester Celestina, die einen neuen Zettel herausgeholt hatte und nach und nach alles abarbeitete. Zuerst kamen wir zu einem Laden, der von oben bis unten zugestellt war. Hinter einer Art Theke saß eine Frau und ihr Kopf guckte gerade noch so hinter den ganzen Waren hervor. Links und rechts und hinter ihr stapelten sich die Kartons und ich fragte mich, wie sie wohl in dieses Lädchen reingekommen war. Es war nämlich keine Tür erkennbar 😅.


Überall wo man hinkam roch es anders und es war wirklich wie eine ganz andere Welt. Wir besorgten dann noch, nachdem wir ein ganzen Karton voller Peanutbutter gekauft hatten neue Besen, Klobürsten und eine Art Netz, dass hier als Waschlappen verwendet wird.


Später kamen wir auch noch zu einer Art Halle in welcher sich auf der einen Seite Säcke voll Reis und Bohnen stapelten. Auf der anderen Seite hing das rohe Fleisch auf dreckigen Haken. Kauft jemand etwas von dem Fleisch wird es einfach auf dem Boden geschnitten und das mit einem Messer, was in meinen Augen nicht sehr hygienisch aussieht. Auf weiteren Planen befinden sich Fische, die vor den Augen aller geköpft werden 🫣.



Wir als Weiße fielen schon sehr auf und wurden sehr oft angesprochen. Trotzdem fühlte ich mich total wohl und sicher. Vor allem das Vorurteil, dass man häufig beklaut wird, hab ich dann vor Ort ganz anders wahrgenommen. Klar, wir waren mit der Schwester unterwegs, aber trotzdem waren die Menschen oft super freundlich und interessiert. Seit dem Mal mit der Schwester waren wir auch schon mehrfach alleine in Bukoba unterwegs und ich hatte immer ein gutes Gefühl und hab mich sicher gefühlt. So viele Menschen haben uns einfach angelächelt und da vor allem wenn wir ein paar Worte Swahili gesprochen haben. Natürlich wurden wir auch um Geld gebeten (was bisher aber so richtig erst einmal vorkam) aber auch das war respektvoll und als wir nein gesagt haben, ließ er uns auch in Ruhe. Der Mann hatte nach 1.000 Tsh gefragt was umgerechnet 37ct sind und natürlich hätte ich ihm das geben können aber mir ist bewusst, dass wenn man einmal anfängt man da nicht mehr rauskommt und es wurde uns auch geraten niemanden etwas zu geben. Ich fühle mich dann zwar immer irgendwie schlecht weil ich mir denke, dass die 37ct für den Mann wahrscheinlich einen viel höheren Wert haben müssen aber ich muss stur bleiben. Dafür haben wir uns ja überlegt, dass wenn wir etwas auf dem Markt kaufen wie z.B. Stoff wir diesen dann immer bei verschieden Schneiderinnen machen lassen. Dann waren wir vielleicht am Ende des Jahres bei jedem Mal gewesen.

Auf dem Markt haben wir dann übrigens auch Weiße getroffen 😅. Es waren 3 Mädchen aus Dänemark und als wir ihnen erzählten, dass wir aus Deutschland kommen fragten sie nur ob wir Robin kennen. Äh ne 😅. Er ist auch ein Freiwilliger aus Deutschland und wie wir für ein Jahr hier. Sie haben uns dann seine Nummer damit wir ihn mal treffen können.


Jetzt habe ich viel vom Markt erzählt aber ich wollt noch kurz etwas zum Thema Supermärkte erzählen. Hier gibt es ein paar vereinzelte aber diese sind (wie ich schon in dem Beitrag von Morogoro beschrieben habe) nicht vergleichbar mir den in Deutschland. Sie sind eher wie ein großer Kiosk aber meist super eng und bis oben hin zugestellt. Oft sind die Preise auch für hier verhältnismäßig hoch und daher ist es gängiger auf dem Markt einzukaufen. Wir kauften uns dann in einem Supermarkt ein paar Kekse um nicht vollständig auf Süßigkeiten verzichten zu müssen 😅.

Nachdem wir alles besorgt hatten stiegen wir wieder ins Auto wo immer noch Njunwa und der kleine George auf uns warteten. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir auch noch nicht, wieso George überhaupt dabei ist. Das klärte sich dann wenig später als die Schwerter mit dem Jungen ausstieg und sie wenig später wiederkamen, George mit einem Tuch voll Blut im Mund. Ihm wurde also mal eben ein Zahn gezogen 🫣. Er war aber total tapfer und verrückte keine Träne. Ich war immer noch geschockt, denn die beiden waren bestimmt nicht mehr als 10 Minuten weg gewesen und ich wollte mir nicht vorstellen unter welchen Umständen er was er für Schmerzen erlitten hatte.


Weiter ging’s dann noch zur Apotheke wo wir mit ausstiegen. Der Apotheker sprach uns an und fragte, was wir für Sprachen sprechen und als ich erzählte, dass ich in der Schule Russisch gelernt hatte führten wir kurz Small talk auf Russisch und das in Tansania 😂. Als die Schwester dann das gekauft hatte, was sie wollte, ging es weiter und wenig später hielt das Auto wieder und sie und Njunwa stiegen aus. Wie saßen also mit George im Wagen während er nun als Belohnung ein süßes Getränk aus einem Paket trinken durfte, was soeben ein paar Männer ins Auto geladen hatten. Generell wurde das Auto nicht abgeschlossen als wir allein drin saßen und häufiger wurde die Tür von (für uns) wildfremden Menschen geöffnet, die diverse Sachen in das Auto einluden, die die Schwester irgendwie irgendwo anscheinend bezahlt hatte.



Irgendwann machten wir uns dann auf den Rückweg mit dem Auto. Auf der Fahrt kamen uns mehrfach Fahrräder oder Mopeds entgegen, die oft förmlich unter überdimensionalen Bündeln aus frisch geernteten Zuckerrohr, Bananenstauden oder Holz verschwanden. Auf dem einem Fahrrad wurden Unmengen an Heu transportiert und man konnte dem Mann, der dieses schob ansehen, dass er damit beschäftigt war das Gewicht auszubalancieren. Ein anderes Mal tauchte auf der entgegenkommenden Fahrbahn ein Moped auf, auf welchem sich lange Holzbalken befanden. Die waren aber so breit, dass das Moped genau in der Mitte der Fahrbahn fahren musste, damit die überstehenden Balken nicht auf unsere Fahrbahn ragten. Das sah in meinen Augen echt ziemlich gefährlich aus und als Warnung war lediglich ein rotes Tuch an den Brettern angebracht 😅.

Als wir wieder im Nikolaushaus ankamen war ich erschöpft, da wir relativ lang unterwegs waren aber gleichzeitig hatte ich wieder ein Gefühl angekommen sein. Wenn ich jetzt gerade an mein Zuhause in Deutschland denke liegen teilweise irgendwie Welten dazwischen aber ich war und bin zu 100% bereit dazu mich auf etwas Neues einzulassen und deswegen fühlte ich mich seit der ersten Sekunde auch Zuhause egal wie unterschiedlich es hier doch zu meinem Leben in Deutschland ist.



Kinder, die ich in diesem Beitrag erwähnt habe:



George


























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