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Der Tagesablauf im Nikolaushaus und meine Aufgaben 🏡

  • Autorenbild: Nora Klammt
    Nora Klammt
  • 25. Nov. 2023
  • 6 Min. Lesezeit

Das Nikolaushaus ist ein Zuhause für Waisenkinder sowie auch für Kinder, die nicht von ihren Familien versorgt werden. Es ist eine Besonderheit, dass sowohl Kinder mit, als auch ohne Beeinträchtigungen zusammenleben. In Tansania werden behinderte Kinder leider häufig nur mangelhaft betreut, nicht gefördert, oft „versteckt“ oder manchmal auch ausgesetzt. Seit 2011 gibt es mittlerweile das Nikolaushaus und es wächst stetig. Inzwischen bietet das Nikolaushaus ein Zuhause für über 40 Kinder.



Jetzt möchte ich euch etwas über den Alltag im Nikolaushaus berichten und auch über die Rolle, die ich in diesem einnehme.

Die Kinder sind hier in einem Jungen- und einem Mädchenhaus untergebracht. In der einen Woche bin ich für die Jungen zuständig und Margarethe für die Mädchen. In der nächsten Woche welchseln wir dann wieder. Die Einteilung ist nur fürs Schlafen, Essen und Baden relevant. Den Rest der Zeit spielen alle gemeinsam und auch im Kindergarten sind die Kinder zusammen.


Um 6 Uhr werden die Kinder geweckt, machen sich fertig und frühstücken. Gefrühstückt wird immer Weizentoast entweder mit Marmelade oder Erdnussbutter. Um 6:45 fährt dann das Auto los, welches die Kinder zu den verschiedenen Schulen außerhalb bringt und alle Schulkinder sind aus dem Haus. Währenddessen trudeln auch so nach und nach die Kinder in im Esszimmer ein, die nicht in die Schule gehen. Das sind die kleinen oder die beeinträchtigten Kinder. Diese frühstücken dann in Ruhe und danach wird Zähne geputzt. Bis um 9 der Kindergarten startet, verbringen die Kinder noch ein bisschen Zeit draußen auf dem Gelände.


Wenn ich die Frühschicht habe fange ich um 6 Uhr an die Frühstücksbrote für die Kinder zu schmieren. Das mache ich in der einen Woche bei den Jungen und in der anderen eben bei den Mädchen. Wenn die ersten Kinder auftauchen bekommt jeder sein Frühstück und ich verteile das Trinken. Ich leiste den Kindern dann beim Frühstück Gesellschaft und passe auf, dass jedes Kind genug zu essen bekommt. In dieser Schicht gehe ich mit den Kindergartenkindern immer noch ein bisschen raus und wir schaukeln oder erkunden einfach das Gelände. Bis um 9 versuche ich dann alle Jungen und Mädchen zusammenzutrommeln, um mit ihnen in den Kindergarten zu gehen, welcher sich auf dem Gelände befindet. Die Kinder sind hier dann von 9 bis 12 Uhr.



In der ersten halben Stunde bilden wir einen Kreis und singen mit den beiden Kindergärtnerinnen viele Lieder. Es wird geklatscht, getrommelt und vor allem getanzt. Das ist immer super lustig und schön und macht gleich gute Laune am Morgen. Es ist einfach unfassbar niedlich, wenn dich all die kleinen Kinder an die Hand nehmen und dir zeigen, wie du tanzen sollst 🥹. In solchen Momenten bin ich einfach so glücklich, denn die Kinder hier strahlen so eine Lebensfreude und Leichtigkeit aus.

Wenn uns keine Lieder mehr einfallen geht's ans Spielen oder Lernen. Oft macht die Kindergärtnerin Mama Tito, die alle Matito nennen, eine kleine spielerische Lerneinheit. In dieser sollen die Kinder dann zum Beispiel Farben von Bauklötzen benennen oder sagen, was auf einer Memorie-Karte abgebildet ist. Dabei sagt Mama Tito immer das Wort auf Swahili und auf Englisch, damit die Kinder schon ein bisschen in der englischen Aussprache geschult werden und ein paar Vokabelkenntnisse erlangen. Wobei ich das Gefühl habe, dass von den englischen Wörtern nicht so viel hängen bleibt, aber die Kinder sind ja auch oft noch sehr klein und haben keine große Aufmerksamkeitsspanne. Und teilweise sind auch ältere Kinder im Kindergarten wie zum Beispiel ein Mädchen namens Vanessa, welches viel Lernstoff aufholen muss. Ihre Mutter war HIV-positiv und hat es auf ihr Kind übertragen. Vanessa war durch die Infektion geschwächt. Sie konnte also durch ihren schlechten Gesundheitszustand nur selten die Schule besuchen. Die mittlerweile 12-jährige nimmt jetzt gute Medikamente und planmäßig soll sie im Januar 2024, wenn in Tansania das neue Schuljahr beginnt, mit der Schule weitermachen. Bis jetzt ist sie im Kindergarten und versucht vieles aufzuholen. Natürlich ist das aber auch sehr anstrengend.

Durch diese kleinen Einheiten und die Tatsache, dass Mama Tito auch Englisch kann und die Swahili Wörter übersetzt lerne auch ich ein paar Vokabeln. Aber auch so schnappe ich im Kindergarten ab und zu ein paar Wörter auf wie zum Beispiel beim UNO spielen. So kann ich mittlerweile schonmal die Farben blau, rot, grün und gelb und sagen, was ich mir wünsche 😅.

Ansonsten gibt es im Kindergarten sehr viele Spielsachen mit welchen sich die Kinder beschäftigen können. Meistens spielen wir Memoire oder bauen eine Eisenbahnstrecke. Oft lese ich auch vor und manchmal mache ich mit jeweils einem Kind immer eine kleine individuelle Lerneinheit. Mit der kleinen Alicia übe ich z.B. die Zahlen von 1 bis 10 zu schreiben, während die etwas ältere Aglipina nun schon fleißig mit meiner Hilfe addiert. Ich habe super viel Freude an dieser Arbeit und vor allem das “Unterrichten“ bereitet mir große Freude, weil es meine Leidenschaft ist. Außerdem lässt es meine Vorfreude auf das Grundschullehramtstudium, welches ich nach diesem Jahr beginnen möchte, steigen. Ich bestätige mich immer wieder auf neue, dass es das ist, was ich wirklich machen möchte. Und das, obwohl ich jetzt schon merke, wie viel Geduld man braucht und wie wichtig und zeitgleich herausfordernd es ist, dass die Lerninhalte didaktisch sinnvoll aufbereitet sind.

In einem anderen Raum im Kindergarten sind die körperlich beeinträchtigten Kinder und eine der beiden Kindergärtnerinnen macht Übungen mit den Kindern, um ihre Beweglichkeit zu verbessern. Dabei helfe auch ich sehr gerne und schon jetzt kann ich Fortschritte bei dem ein oder anderen erkennen.


Um kurz vor 12 werden die Kinder aus dem Kindergarten abgeholt und zum Mittagessen gebracht, die auf Hilfe angewiesen sind und gefüttert werden müssen. Um 12 gehe ich dann mit den anderen Kindern zum Mittagessen. Hier gucke ich, dass alle Kinder ordentlich ihre Hände waschen und ich tue ihnen das Essen auf. Mehr zu dem Essen wird es noch in einem anderen Beitrag zu lesen geben 🤫. Nach dem Mittagessen werden dann Zähne geputzt und danach esse auch ich und spiele noch gut eine Stunde bis 14 Uhr mit den Kindern auf dem Gelände. Dann endet meine Frühschicht und hier würde die Spätschicht beginnen. Die Kinder, die zur Schule gehen, kommen übrigens alle zu unterschiedlichen Zeiten zurück und haben dann noch die Möglichkeit Mittag zu essen.


Wenn ich Spätschicht habe, beginne ich also mit dem Mittagessen. Nach dem Mittagessen werden die Kleinen für einen Mittagsschlaf hingelegt. Ab 14 Uhr ist nochmal für 2 Stunden Kindergarten, wo ich wieder mit den Kindern spiele. Am Nachmittag sind wir auch oft draußen zum Spielen zum Beispiel im Sandkasten oder wir bauen eine große Eisenbahnstrecke. Währenddessen kommen auch manche Schulkinder nach Hause und ich helfe oft und sehr gerne bei den Hausaufgaben ☺️.

Nach den 2 Stunden Kindergarten gibt es einen Snack für die Kinder und dann ist nochmal ein bisschen Zeit zum Toben. Bis 17 Uhr finden sich die kleinen Kinder im Badezimmer ein. Ich helfe in einem Bad einer Mama dabei die Kinder zu waschen. Meistens bin ich für das Abtrocknen und danach das Eincremen zuständig. Danach suche ich ihnen frische Anziehsachen raus und ziehe sie an. Um 18 Uhr gibt es dann für die kleinen Abendessen und auch hier helfe ich beim Auftuen oder öfter füttere ich auch einen kleinen Jungen namens Kevin (hier oft Keveni ausgesprochen) welchen ich sofort ins Herz geschlossen habe. Einmal wurde mir nämlich gesagt, dass ich ihn heute füttern soll und seitdem mache ich das so oft es geht aus eigener Initiative. Das versetzt mich so in eine andere Welt, dass ich oft die Zeit aus den Augen verliere 😅☺️. Um 19 Uhr ist von Montag bis Donnerstag immer das Abendgebet und auch das findet abwechselnd bei Jungen und Mädchen statt. Die restlichen Tage, wenn kein Abendgebet stattfindet, läuft der Fernseher. Im Mädchenhaus laufen meist irgendwelche kitschigen Filme, die ich nicht verstehe, weswegen ich dann sogar eher zum Jungenhaus tendiere, um Fußball mitzugucken. Um 20 Uhr geht es dann für die kleineren Kinder ins Bett. Ich bin beim Fertigmachen fürs Bett dabei und gucke, dass jeder in seinem Bett liegt, gut zugedeckt und von einem Moskitonetz umgeben ist. Dann heißt es „usiku mwema“ also gute Nacht und ich mache das Licht aus. Damit endet dann meine Spätschicht. Bis 21 Uhr sind dann auch sie Schulkinder im Bett und schlafen.



Das ist der Tagesablauf unter der Woche. Am Samstag wird eine Stunde später aufgestanden und ansonsten sehr viel gespielt. Am Samstag ist kein Kindergarten und auf das Gelände können immer Eltern mit ihren beeinträchtigten Kindern aus der Umgebung kommen. Hier lernen die Eltern mit ihren Kindern Krankengymnastik zu machen und werden von einem Arzt beraten.


Am Sonntag steht hier fast immer ein Ausflug an. Oft laufen wir zum Viktoriasee vor oder wir fahren zu einer Badestelle. Hier gibt es dann auch immer das Wochenhighlight, denn es gibt für jeden eine kleine Packung Kekse und ein süßes Getränk.



Soviel erstmal zum Tagesablauf. Ich habe wie gesagt entweder Früh- oder Spätschicht und an den anderen Tagen bin ich ausschließlich für den Kindergarten zuständig. Also 3 Stunden am Vormittag und 2 am Nachmittag. Dienstags haben Margarethe und ich beide unseren freien Tag, an welchem wir fast immer in die nächst größere Stadt fahren (dazu auch bald mehr) und am Samstag habe ich einen Tag alleine frei.




Kinder, die ich in diesem Beitrag erwähnt habe:


Aglipina (mit Tumaini) Alicia (die kleine) Vanessa



und Kevin :)






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