Die Fahrt nach Uganda 🚌
- Nora Klammt
- 23. März 2024
- 6 Min. Lesezeit
Am Morgen des 04.02.2024 klingelten unsere Handys und ich ging im ersten Moment davon aus, dass das unser Wecker ist. Doch als ich auf mein Display guckte zeigt die Uhr nicht 6 Uhr, sondern kurz nach 4 Uhr. Dann begriff ich, dass ich gerade angerufen wurde und hörte Julius Stimme. Er schien erleichtert, dass wir rangegangen waren, da wir ja eigentlich gerade schlafen würden und die Jungs sich im anderen Haus befanden und somit nicht zu uns ins Zimmer konnten. Er erklärte uns hastig, dass das Busunternehmen schon vor eine Weile bei Robin angerufen hatte und meinte, dass der Bus schon früher fahren würde. Robin hatte zu diesem Zeitpunkt noch keine Sachen gepackt und fing schnell damit an.
Es waren noch keine 5 Minuten vergangen, da rief das Busunternehmen erneut an und ein Mann erklärte, dass sie gleich losfahren würden und dass wir uns beeilen sollten. Das hieß, dass Margarethe und ich uns nur schnell umzogen und alle Sachen in den Rucksack stopften. Wir waren auf einmal hellwach und zufälligerweise war die schwedische Frau, die auch in diesem Gästehaus lebte, gerade im Bad und als sie mitbekam, dass wir in Eile sind, machte sie sich daran die Tür aufzuschließen. Das war garnicht so leicht, denn es gab 2 Schlösser und einen Schlüsselbund mit mehreren gleich aussehenden Schlüsseln. Glücklicherweise hatte sie die Tür aufbekommen durch die wir dann dankend stürmten und die paar Treppen zu den Jungen hoch sprinteten.
Während Robin noch seinen Rucksack packte und uns gerade mitteilte, dass er den Impfpass eher nicht mitnimmt, rief das Busunternehmen schon wieder an. Die Stimme an der anderen Leitung klang ganz und garnicht freundlich und betonte nochmal, dass wir uns beeilen sollten. Ich erklärte Robin dann, dass er seinen Impfpass aber auf jeden Fall für den Nachweis der Gelbfieberimpfung an der Grenze braucht, woraufhin er angestrengt überlegte, wo dieser sein könnte. Julius war in der Zwischenzeit schon die 5 Minuten Fußweg zur Straße vor gerannt und wartete auf einen Boda (Moped), was uns zum Bus fahren könnte. Leider war das Warten erfolglos, da um diese Uhrzeit, es war gerade halb 5 in der Früh, wenig bis keine Bodas unterwegs sind. Irgendwann hatte Robin seinen Impfpass dann gefunden und ich nahm noch schnell Julius‘ Rucksack, der noch im Flur stand. Wir 3 rannten voll beladen vor zur Straße wo Julius immer noch vergebens nach einem Boda Ausschau hielt. Robin hatte am Telefon aber geklärt, dass uns jemand vom Busunternehmen abholen kommt und so warteten wir auf ein Auto.
Nach kurzer Zeit tauchten auch schon 2 Scheinwerfer in der Dunkelheit auf, die immer näher kamen. Das Auto bewegte sich zwar nur sehr langsam auf uns zu, aber ich erklärte mir das damit, dass der Fahrer guckt wo wir sind. Als das Auto geparkt hatte rissen wir die Türen auf bzw. wir versuchten es, aber die Türen blieben zu.
Aus irgendeinem Grund ging nur die Fahrerseite auf und der Fahrer schien sich auch nicht so ganz mit der Technik des Wagens auszukennen. Als die Türen dann nach langem hin und her probieren endlich aufgingen, stiegen wir schnell in das Auto und hofften, dass wir noch pünktlich kommen würden. So viel kann jetzt ja nicht mehr schief gehen, dachte ich mir, bis ich bemerkte, dass unser Fahrer zum dritten Mal in Folge den Wagen hat abwürgen lassen. Beim vierten Versuch schaffte er es dann zum Glück den Wagen zu starten und wir rollten langsam nach hinten. Beim Versuch rückwärts über die Schwelle hinter uns zu fahren ging ihm der Wagen erneut aus. Uns lief die Zeit davon, aber wir versuchten geduldig zu sein.
Als er diese Schwelle endlich problemlos überquert hatte und gerade auf der Straße stand, fuhren wir richtig los. Also wir fuhren zumindest mit 30 km/h, da der Wagen nicht mehr schaffte. Als es bergauf ging, wurden wir immer langsamer und ich hatte das Gefühl, dass wir jeden Augenblick wieder zurückrollen würden. Zudem fing das Auto an zu qualmen und es stank gewaltig. Als unser Fahrer am Straßenrand dann noch jemanden fragte, wo wir hier genau sind und wo er lang fahren müsste, konnten wir vier nur noch lachen. Robin versuchte unseren Fahrer dann zu lotsen und wir beschlossen den Mann vom Busunternehmen anzurufen, der uns am Tag zuvor beim Ticketkauf seine Handynummer gegeben hatte. Als Robin auf Anrufen klickte, fing das Handy des Fahrers an zu klingeln (lustiger Zufall dachte ich), doch als die Nummer ranging und ich durch Robins Handy das Echo von der Stimme unseres Fahrers hörte verstand ich die Welt nicht mehr. Wieso hatte unser Fahrer jetzt das Handy von dem Mann gestern!? Alles machte keinen Sinn mehr und als uns unser Fahrer mitteilte, dass der Bus jetzt ohne uns losgefahren war, wunderte uns das kein bisschen.
So wie es schien, versuchte unser Fahrer den Bus noch einzuholen, aber auch das gab er irgendwann auf. Wir hatten zwar absolut keine Ahnung wie es weitergehen sollte, aber warteten erstmal ab. Wir wussten nur, dass der Bus, für den wir die Tickets bezahlt hatten, 3 Stunden vor planmäßiger Abfahrt ohne uns losgefahren war.
Der Fahrer fuhr dann noch ein paar Meter und hielt am Straßenrand. Er erklärte uns, dass wir jetzt erstmal mit einem Daladala (kleiner Bus) bis zur Grenze fahren sollten. Das hieß, dass wir aussteigen und die Straßenseite wechselten um in das Dala zu steigen, was schon da stand. Hier fahren die Dalas oft erst los, wenn sie schon relativ voll sind und so warteten wir eine ganze Weile bis es sich immer mehr füllte. Es wunderte mich, dass morgens (mittlerweile war es um 5 Uhr) so viele Leute Richtung Grenze fahren wollen, aber ich war auch irgendwie froh, dass es so war.
Schließlich fuhren wir dann los und kamen nach knapp 3 Stunden an der Grenze an. Der Vorteil von einem Reisebus (mit dem wir eigentlich auch gefahren wären) ist, dass er durchfährt und nicht wie die Daladalas für jede Person am Straßenrand hält, die mit will. Außerdem ist es in den Dalas wesentlich enger und unbequemer. Trotzdem hatten wir es dann ja geschafft und passierten die Grenze. Alles verlief reibungslos und wir bezahlten noch die 50 USD für das Visum, was wir zum Einreisen benötigten. Während Margarethe und ich noch beim Schalter waren, tauschten die Jungs schonmal ein paar tansanische Schilling in ugandische Schilling um.
Wir wussten dann nicht wie wir jetzt weiterfahren sollten, aber witzigerweise hatte unser Reisebus an der Grenze auf uns gewartet. Muss man auch nicht verstehen, warum er nicht die 5 Minuten in Bukoba auf uns gewartet hat, aber viel länger an der Grenze. Auf jeden Fall machten wir es uns dann im Bus bequem der angenehm leer war. Das änderte sich dann noch im Verlauf der Fahrt, was auch den Geräuschpegel erhöhte. Das lag auch daran, dass neben Menschen auch lebende Hühner und Enten im Bus Platz fanden. Menschen stiegen wirklich mit lebenden Hühnern ein, die sie kopfüber an den Füßen durch die Reihen trugen um sie dann unter ihren Sitzen zu verstauen. Schon ein bisschen absurd aber hier vollkommen normal.
Wir fuhren knapp 6 Stunden bis nach Kampala, die Hauptstadt von Uganda. Unterwegs passierten wir noch den Äquator, doch leider stoppten wir nicht. Wir saßen ja auch schließlich in einem normalen Reisebus und nicht in einem für Touris. Julius schaffte es aus dem Fenster heraus noch ein Foto von dem Fotospot genau auf dem Äquator zu machen, wo gerade andere Menschen posierten. Und dann waren wir tatsächlich auf der Nordhalbkugel was sich irgendwie verrückt anfühlte.
Zwischendurch hielten wir dann noch an einer Tankstelle für eine 10-minütige Pause. Während wir die 10 Minuten in der Warteschlange vor der Damentoilette verbrachten, besorgten die Jungs in der Zwischenzeit etwas zu essen. Sie kamen mit Sambusas zurück. Das sind frittierte Teigdreiecke, die entweder mit Hackfleisch oder Gemüse gefüllt sind. Super lecker auf jeden Fall!
Irgendwann erreichten wir dann Kampala, aber saßen mindestens noch eine Stunde im Bus und fuhren im Schneckentempo durch die Stadt. Hier gibt es nämlich keine Schnellstraße oder ähnliches, die direkt zum Busbahnhof führt, sondern nur eine große Straße, auf der alle in die Stadt fahren. Dementsprechend ging es nur langsam vorwärts, was aber ganz passend war um die ganzen Eindrücke wahrzunehmen. Mehr zu der Hauptstadt Kampala berichte ich in einem anderen Beitrag, also seid gespannt. Hier belasse ich es bei dem Fakt, dass wir uns SIM-Karten kauften und im Old Taxi Park in ein Daladala stiegen um weiter nach Jinja zu fahren. Jinja ist eine Stadt, die rund 70 km von Kampala entfernt liegt. Julius hatte sie im Vorfeld rausgesucht, da sie sehenswert klang und dort auch eine Quelle des Nils ist.
In dem Daladala haben wir uns zusätzlich zu unseren 4 Sitzplätzen noch einen für unser Gepäck gekauft. Zunächst hatten wir überlegt, das ganze Gepäck auf unseren Schößen zu lassen, aber bei dem Gewicht beschlossen wir dann doch die paar Euro zu bezahlen. Zum Glück!
Gegen 16 Uhr verließen wir Kampala mit dem Dala und gingen davon aus in guten anderthalb Stunden in Jinja zu sein. Von etwas auszugehen oder gar etwas zu planen ist hier allerdings nicht zu empfehlen vor allem, wenn es den Verkehr geht. Für die 70 km brauchten wir 5 ganze Stunden und kamen somit 21 Uhr fix und fertig irgendwo in Jinja an. Von dort aus fuhren wir per Boda zu unserem AirBnB, wo unser Host schon auf uns wartete. Die kleine Wohnung sah sehr gemütlich aus und wir fielen alle todmüde ins Bett. Schließlich waren wir seit 4 Uhr morgens unterwegs und erschöpft von der Fahrt.
…und die guten Salamisticks aus Deutschland wurden ausgepackt 😂
Was wir in den folgen Tagen erlebt haben könnt ihr nächste Woche lesen. Bis dahin :)



























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