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Die tansanische Kultur (Teil 1) 📕

  • Autorenbild: Nora Klammt
    Nora Klammt
  • 28. Okt. 2023
  • 4 Min. Lesezeit

Im Unterricht haben wir neben der Sprache auch etwas über die tansanische Kultur gelernt. Nur die Sprache zu beherrschen reicht nicht, um sich in eine Gesellschaft integrieren zu können. Es ist wichtig die kulturellen Unterschiede, die Gebote und Verbote einer Gesellschaft zu kennen und diese wertzuschätzen.


In der tansanischen Kultur ist das Begrüßen sehr wichtig. Hier grüßt jeder jeden, egal wann und wo. Jemanden zu begrüßen beutetet, dass man seinen Gegenüber respektiert und jederzeit für ein Gespräch offen ist. Umgekehrt kann man durch das Weglassen der Begründung abgehoben wirken.

Wenn man jemanden um Hilfe fragt ist es auch sehr wichtig zuerst diese Person zu begrüßen denn sonst könnte es passieren, dass einem nicht geholfen wird. Vor allem seine Nachbarn sollte man grüßen, da sie in der Regel in der Nähe sind, wenn man Hilfe braucht. Hat man sie einmal nicht gegrüßt könnte es sein, dass man im Fall der Fälle alleine da steht.

Für mich ist das immer noch etwas ungewohnt, da ich in Deutschland ja auch nicht eine Konversation mit einem Fremden im Vorbeigehen starte. Meistens gibt es nichtmal ein einfaches Hallo.

Die Begrüßung besteht hier aus der Frage „Habari za leo?“ was soviel bedeutet wie „Was für Neuigkeiten gibt es an diesem Tag?“. Anstelle des Wortes Tag kann man auch etwas konkreter werden und nach den Neuigkeiten am Morgen (za asubuhi), am Nachmittag (za mchana), am Abend (za jioni) oder in der Nacht (za usiku) fragen. Die Antwort ist in jedem Fall „gut(e Nachrichten)“ also auf Swahili „vizuri“. Und man fragt im gleichen Zug auch „Hujambo?“ also übersetzt „Wie geht es dir?“. Auch hier ist wie zu erwarten die Antwort, dass es einem gut geht also „Sijambo“.

Nachdem uns unsere Lehrerin Lilly diese generelle Begrüßung beigebracht hat und wir sie brav mit jeder Person umgesetzt haben kam bei mir die Frage auf wie ich denn jetzt sagen kann, dass es mir nicht gut geht. Soll ja auch mal vorkommen 😅.

Die Antwort war sehr überraschend. Lilly erklärte, dass es keinen Ausdruck gibt um zu sagen, dass es einem schlecht geht. Das hängt laut ihr damit zusammen, dass die Menschen hier den Fokus auf das Gute legen. So brachte Lilly das Beispiel, dass selbst wenn man im Krankenhaus liegt man beispielsweise trotzdem noch reden kann und auch schon die Tatsache, dass man lebt impliziert, dass es einem gut geht. Das höchste der Gefühle hier ist zu sagen, dass es einem nur ein bisschen gut geht (in Swahili: nzuri kidogo) aber dann muss die Kacke gefühlt schon am dampfen sein 😂.


Dass man immer zumindest ein bisschen gut gelaunt ist haben unsere beiden Lehrerinnen auf jeden Fall verkörpert. Sie waren bestimmt auch nicht die Motiviertesten wenn es jeden Tag wieder hieß uns beiden die Sprache beizubringen. Sie beherrschen die Sprache und wir sprechen gefühlt jedes zweite Wort falsch aus und können keine anständigen Sätze bilden. Aber sie haben immer gestrahlt und vor allem war es super lustig wie sie applaudiert und gerufen haben, wenn wir etwas Schweres richtig hatten. Irgendwann haben sie auch uns angesteckt und wir haben immer 5 Sekunden Party gemacht für eine richtige Antwort die keiner erwartet hatte 😅☺️.


Dass alle Menschen hier super herzlich miteinander sind wird auch durch etwas anderes deutlich. Das Wort „Freund“ heißt in Swahili „Rafiki“ und es gibt dafür 2 Pluralformen. Die eine bezeichnet deine besten Freunde also wirklich nur die Engsten. Und die andere bezeichnet alle Menschen die du zwar nicht kennst, die aber Freunde von dir kennen. Du bezeichnest also die Freunde deiner Freunde auch als deine eigenen Freunde.

Lilly hat das im Unterricht so erklärt: Wenn ich einmal heiraten sollte (sie war happy darüber, dass das wirklich mein Plan ist 😅) und eine große Party schmeißen sollte dann würde ich ja ganz bestimmt sie einladen. Und sie würde natürlich ganz viele Freunde mitbringen. Und wenn Margarethe mich dann fragt, wer die ganzen Menschen sind, die mit Lilly mitgekommen hat dann antworte ich, dass das meine Freunde sind. Weil wenn Lilly sich mit denen versteht, dann hab ich sie bestimmt auch gern. Außerdem geht es einfacher als erklären zu müssen ob das jetzt Lillys Bruder oder Cousin zweiten Grades ist.

Eigentlich logisch und total einfach aber irgendwie auch komisch Menschen als deine Freunde zu bezeichnen, die du vielleicht noch nie gesehen hast.


Das Gemeinschaftsgefühl wird auch noch durch andere kulturelle Besonderheiten deutlich. Zum Beispiel sagt man, wenn man an einer arbeitenden Person vorbeigeht „Pole ya kazi“ was ausdrückt, dass man wertschätzt, dass die Person arbeitet. Das motiviert dann zum Beispiel den Gärtner weiter zu arbeiten.


Eine andere Form der Wertschätzung bringt man älteren Menschen hier entgegen. In der tansanischen Kultur wird versucht die Älteren so viel wie möglich zu achten. Das kann zum Beispiel bedeuten, dass man im Gespräch mit ihnen den Hut abnimmt oder, dass man ihnen bei der Arbeit unter die Arme greift, ihnen einen Sitzplatz anbietet, wenn man ihn selbst gerade belegt usw.. Das mit dem Sitzplatz ist ein bisschen so wie in Deutschland, aber insgesamt habe ich hier den Eindruck, dass das alles hier viel ernster genommen wird.

Ältere Menschen gelten hier als weise, da sie schon viele (bzw. mehr) Erfahrungen gesammelt haben. Teilweise wird sogar gesagt, dass ältere Menschen dazu im der Lage seien Flüche von jüngeren Personen zu entfernen. Auf jeden Fall ist es super wichtig ihnen respektvoll entgegenzutreten.

Es ist üblich zu einer älteren Person „Shikamo“ zu sagen was bedeutet, dass man sie sehr respektiert. Die Antwort ist „Marahaba“ was Zustimmung und Dank signalisiert.


Ich hatte ja schon erwähnt, dass es wichtig ist auch seine Nachbarn zu grüßen, da man so einen guten Eindruck hinterlässt. Für die Menschen hier ist es aber wirklich wichtig mit seinen Nachbarn im Reinen zu sein. Nachbarn zählen hier quasi zur Verwandtschaft. Sie sind immer in der Nähe und somit zur Stelle wenn man ihre Hilfe braucht.

Man kann die Beziehung zu seinen Nachbarn nicht nur pflegen indem man sie immer grüßt sondern es ist auch gern gesehen den anderen zu besuchen oder vor einer Reise Bescheid zu geben, wie lange man weg sein wird. Natürlich ist ein Mitbringsel auch gern gesehen 😅. Außerdem ist es angebracht ihnen in schwierigen Zeiten zur Seite zu stehen beispielsweise wenn ein Familienmitglied im Sterben liegt.


In Tansania ist es aber auch üblich generell an Beerdigungszeremonien teilzunehmen. Für die Angehörigen ist der Tod kein leichtes Thema und Beistand leisten symbolisiert Freundschaft. Jeder der also in schwierigen Zeiten, wie einer Beerdigung hilft ist ein guter Freund. Wer sich zurückzieht, ein Feind.


Mehr über die tansanische Kultur könnt ihr im nächsten Beitrag lesen ☺️.












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