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Die tansanische Kultur (Teil 2) 📗

  • Autorenbild: Nora Klammt
    Nora Klammt
  • 4. Nov. 2023
  • 5 Min. Lesezeit

Unsere Lehrer haben uns im Unterricht verdeutlich, dass Gastfreundschaft groß geschrieben wird und es wurden uns einige Verhaltensregeln erklärt, welche man bei einem Besuch sowohl als Gast als auch Gastgeber beachten sollte.

Ein Besuch beginnt aber zunächst mit einem lauten „Hodiii!“ was der Besucher ruft, wenn er vor der Tür steht, denn hier gibt es keine Klingeln, wie wir sie kennen. Man erzeugt also selbst ein Geräusch was signalisiert, dass jemand da ist. Um den Besuch hereinzubitten sagt man „Karibu“ was so viel wie „Willkommen“ heißt.


Als Gastgeber ist wichtig zu wissen, dass man nicht anfängt zu fragen ob der Gast etwas essen will und wenn ja was. Man tischt einfach alles, was man finden kann, auf. Somit soll vermieden werden, dass der Gast in Verlegenheit gerät. Denn ein Ja als Antwort auf die Frage ob man etwas essen möchte könnte so gedeutet werden, dass man noch nichts gegessen hat und extra nur fürs Essen vorbeigekommen ist.

Als Gast sollte man von dem aufgetischten Essen und Trinken immer wenigstens eine kleine Portion aus Höflichkeit nehmen. Man kann dann immer noch sagen, dass man voll ist, Bauchschmerzen hat oder sowieso schon gegessen hat aber erst nachdem man etwas gekostet hat. Garnicht zu probieren ist genau so demütigend für den Gastgeber/ Koch wie am Essen zu riechen.

Man sollte den Koch immer respektiert und das Riechen impliziert, dass das Essen nicht lecker oder sogar ungenießbar ist. Oft sind es die Frauen die sehr viel Zeit und Mühe in das Vorberieten der Mahlzeiten stecken und dieser Aufwand sollte nicht bestraft werden.

Auch auf dem Markt riecht man nicht an den Lebensmitteln sondern prüft zum Beispiel durch tasten und drücken ob eine Frucht reif ist.

Zum Thema Markt ist noch zu sagen, dass es hier üblich ist auf diesem zu verhandeln. Der Preis ist also schon so ausgelegt, dass er auch runtergehandelt werden kann. Im Supermarkt oder anderen Läden sind die Preise hingegen fix gesetzt.

Als wir darüber gesprochen haben wurden wir auch nochmal darauf hingewiesen, dass wir als weiße Menschen besonders darauf achten müssen hier nicht abgezogen zu werden. Das liegt daran, dass viele Menschen unsere Hautfarbe mit Reichtum assoziieren.


Ein weiterer Bereich in dem man sich an Vorschriften halten muss ist die Kleidung. Der Dresscode unterscheidet sich nämlich zu dem in Europa oder anderswo.

Vor allem Frauen haben einiges zu beachten. Sie sollen immer möglichst viel von ihrem Körper bedecken. Dabei ist es vor allem wichtig die Schulten zu bedecken und keinen Ausschnitt zu tragen.

In der Kirche müssen zusätzlich zu Ausschnitt und Schultern auch die Knie bedeckt sein, denn man geht davon aus, dass die Männer schon durch den Anblick dieser Bereichen erregt werden. Und wie unsere Lehrerin sagte „the church is a place for god an not for human relationships“.


Auch beim Thema öffentliche Nähe gilt es sich an gewisse Regeln zu halten. Liebe ist für die Kultur sehr wichtig aber wird schnell mit Sex verbunden.

Deshalb gehören Umarmungen, Küsse oder z.B. das Streicheln über die Wange o.ä. nicht in die Öffentlichkeit. Intimität ist im privaten zu genießen. Das höchste der Gefühle hier ist sich zwischen Mann und Frau die Hand zu geben. Händchen halten in der Öffentlichkeit ist nur zwei weiblichen Personen gestattet, weil das eine enge Freundschaft symbolisiert. Wenn zwei Männer Händchen halten sollten meinte der eine Lehre nur so „we need to get more informations“ 😅.


Ein Letztes was man auch generell nie machen sollte ist auf einem Tisch zu sitzen oder auf einem Stuhl anders dazusitzen als dass die Füße den Boden berühren. Diese Körperzeile gelten in der Kultur als unrein und gehören somit nicht in die Nähe des Essens.


Jetzt noch ein paar Besonderheiten, die mich sehr überrascht und verwirrt haben 😅.

Als erstes ist da die Tatsache, dass „mögen“ und „lieben“ auf Swahili das Gleiche ist. Das Wort „kupenda“ kann also sowohl mögen als auch lieben meinen. Hier meinten unsere Lehrerinnen einfach nur, dass die gemeinte Person schon wissen wird was gemeint ist 😅.


Was aber noch viel ungewohnter ist, ist die Tatsache, dass man nichts haben kann. Mann besitzt nichts sondern ist nur mit etwas. Man besitzt also kein Buch sondern ist mit dem Buch. Das Buch gehört der Gesellschaft.

Das bedeutet zum Beispiel auch, dass wenn ich mir ein schönes Kleid kaufe und Margarethe es schön findet, sie es sich jederzeit ausleihen kann. Nach dem Tragen wäscht sie es dann einfach wieder und bringt es zurück. Ich kann sie also nicht daran hindern und sagen, dass es mein Kleid ist weil ich es bezahlt habe. Das Kleid gehört wie alles zur Gesellschaft.

Ein Beispiel, dass das noch mehr verdeutlich ist, dass man quasi keine eigenen Kinder hat. Im Unterricht haben wir einen Satz übersetz dessen Übersetzung sowohl hieß „Ich bin mit den Kindern“ also auch „Ich habe Kinder“. Da habe ich mich gefragt wie man dann deutlich macht, dass es sich um eigene oder um fremde Kinder handelt. Die Antwort ist: garnicht. Denn ob man sie selbst bekommen hat oder nicht ist irrelevant, denn die Kinder sind in jeden Fall ein Teil der Gesellschaft. Wenn also jemand kommt und fragt, ob er sich die Kinder (deine leiblichen) für eine Woche ausleihen darf kannst du nur sagen, dass er sie für 2 Tage ausleihen kann und dann bitte wieder zurückbringen soll.

Die Beispiele hat übrigens unsere Lehrerin Lilly gebracht 😅.


Dann gibt es da noch das Zeitkonzept. Uns wurde gesagt, dass wir sehr tolerant sein müssen, da man hier oft unpünktlich ist. Das hat oft nicht damit zu tun, dass man viel zu arbeiten hat und beschäftigt ist sondern dass es hier ein anderes Zeitverständnis gibt. Die Menschen hier leben ganz nach dem Motto „No hurry in Africa!“.

Wenn wir uns in Deutschland für um 9 Uhr verabreden dann nehmen wir das in der Regel auch sehr genau. Hier sind die Menschen immer noch pünktlich solange eine 9 auf der Uhr vorne steht. 9:59 Uhr ist ja immer noch etwas mit 9 Uhr und damit pünktlich aber auch später zu kommen nimmt sich hier keiner übel.

Es gibt auch die Zeitangabe morgens. Also zwei Menschen verabreden sich für den nächsten Morgen. Eine Uhrzeit festzulegen ist hier oft unnötig, denn irgendwann werden schon beide da sein. Solange man sich darauf verlassen kann, dass der andere noch kommt ist alles fein. Unsere Lehrerin meinte hier „better be late then never“.

Ich glaube mich würde das verrückt machen aber das liegt wohl an der Sozialisierung. Es scheint so, dass wenn es einen wichtigen Termin gibt auch manchmal eine Uhrzeit festgelegt wird oder auch zur Schule und Kirche erscheint man jedoch immer pünktlich. Wie genau ich jetzt merke, ob es verlangt wird pünktlich so sein oder ob man sich da (wie so oft) nicht so stressen sollte habe ich noch nicht herausgefunden 😅.


Apropos Zeit. Das lesen der Uhr hat mich am Anfang auch sehr verwirrt. Hier startet der Tag und somit die Zeitrechnung nicht um 00:00 Uhr in der Nacht wie bei uns, sondern wenn die Sonne aufgeht, also um 6. Somit sagt man zu 7 Uhr hier 1 Uhr am Morgen und so weiter. 5 Stunden später also wenn wir sagen würden es ist 12 Uhr sagt man hier, dass es um 6 Uhr ist.

Klingt erstmal total verwirrend aber ist leichter als gedacht anzuwenden. Denn man ließt einfach immer die entgegengesetzte Zahl auf der Uhr. Wenn meine Uhr 3 Uhr anzeigt sage ich hier, dass es um 9 Uhr ist.

Schwieriger ist es dann noch die Minuten dazu zu sagen. Bis halb sagt man zwar, wieviele Minuten vergangen sind seit dem es voll war, aber ab halb sagt man dann wieviel Minuten noch fehlen, bis es wieder voll ist. Man sagt also nicht es ist um 10 und 40 Minuten sondern es ist um 10 Uhr und es fehlen noch 20 Minuten bis um 11 Uhr 😅.


Das war’s erstmal zum Thema Kultur und Sprachschule. In meinem nächsten Bericht beschreibe ich dann die (sehr nervenaufreibende) Anreise von der Sprachschule zu meiner Einsatzstelle. Also könnt ihr gespannt sein 😉.








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