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Eindrücke der ersten 2 Wochen 🌼

  • Autorenbild: Nora Klammt
    Nora Klammt
  • 2. Dez. 2023
  • 6 Min. Lesezeit

Am Montag (25.09.2023) hatte ich hier im Nikolaushaus meinen ersten Arbeitstag. Zunächst war ich im Kindergarten von 9 Uhr bis 12 Uhr. Ich wurde ein bisschen überrumpelt, denn zum größten Teil waren die Kinder nicht schüchtern, sondern wollten alle mit der Weißen spielen 😅. Ich spielte dann zunächst mit einem Jungen Namens Tumaini welcher mir schon seit meiner Ankunft hier irgendwie aufgefallen ist und welcher auch ganz selbstbewusst mich hinter sich her zog. Er kramte ein Memorie-Spiel aus dem Schrank und so fingen wir an zu spielen. Das stelle sich aber nach einer halben Stunde aber als etwas schwierig heraus, denn irgendwie konnten wir beide keine Paare mehr finden… Als wir dann alle übrigen Karten aufdeckten fiel uns auf, dass hier auch tatsächlich keine Paare mehr vorhanden waren 😅.


Am nächsten Tag hatten Margarethe und ich beide frei uns so beschlossen wir unsere Klamotten zu waschen. Das taten wir aber zunächst auf dem Zimmer im Eimer und mit Waschmittel aus der Tube. Wir waren weder in der Lage dazu auf Swahili nach der Waschmaschine fragen, noch waren wir dafür bereit hier gleich “noch mehr zur Last zu fallen“.


Am Mittwoch (27.09.2023) hatte ich zum ersten Mal die Frühschicht und war für das Jungenhaus eingeteilt. Ich lief also kurz vor 6 durch die Dunkelheit zum Haus der Jungen rüber. Das war etwas gruselig vor allem, weil dann alle Eingangstüren abgeschlossen waren. Hinter dem Haus entdeckte ich dann eine Mama die mir 2 mal Toastbrot in die Hand drückte und nach drinnen zeigte. Ich sollte also die Brote schmieren und dabei sollte mir heute einer der Jungen helfen. Er fing an zu toasten und auf 2 Toastscheiben jeweils Margarine draufzuschmieren. Danach kam auf das eine Toast Erdnussbutter und auf das andere Marmelade. Ich machte ihm nach und da wurde ich schon das erste Mal berichtigt 😅. Ich hatte anscheinend viel zu dick geschmiert, denn der Junge kratzte fast den ganzen Belag wieder ab und strich ihn zurück in das Gefäß. Wie unangenehm! Und dabei hatte ich extra dünn geschmiert. Dachte ich zumindest 😬. Ich schmierte ab sofort also noch dünner aber dann musste mich der Junge das zweite mal unterbrechen. Denn nicht jedes Kind bekam 2 Scheiben, eine mit Margarine und Marmelade und die andere mit Margarine und Erdnussbutter. Es gab noch gefühlt tausend andere Optionen. Manchmal wurden auch beide mit Erdnussbutter oder beide mit Marmelade bestrichen. Manchmal wurde auch die Margarine weggelassen. Andere Kinder aßen nur ein Brot. Manche wollten das Toast nicht getoastet haben. Dann gab es noch die Variante das Brot/ die Brote zu halbieren oder sogar zu vierteln. Wie sollte ich mir das alles merken und dann auch noch zu dem richtigen Kind zuordnen? 😅 Ich nahm mir vor beim Nächsten mal einen Zettel mitzunehmen um dann alles aufzuschreiben.


In den ersten beiden Wochen sammelte sich natürlich auch im gesamten Haus der Müll an und so sollte ich bei meiner einen Schicht einer Mama folgen nachdem sie mir eine Plastikflasche in die Hand drückte. Wir gingen hinter das Gelände und dann entleerte sie den Mülleimer den sie mitgenommen hatte in eine Grube und holte eine Streichholzschachtel aus der Tasche. Ich sollte dann den Spiritus aus der Plastikflasche etwas drüber schütten und dann zündete sie den Haufen auch schon an. Sofort entstand ein schrecklicher Gestank und ich wollte schnellstmöglich weg weil ich mir vorstellen konnte, dass das nicht sonderlich gesund sein kann den entstehenden Rauch einzuatmen. Ich hatte vorher garnicht dadrüber nachgedacht, dass das hier völlig normal sei. Aber ich hatte auch nicht damit gerechnet, dass hier regelmäßig eine Müllabfuhr vorbeikommt… 🥲


Was mir in meiner ersten Zeit hier sofort auffiel war, dass die Kinder hier sehr kreativ sind und obwohl sie außerhalb des Kindergarten kaum Spielsachen besitzen, immer eine Beschäftigung finden. Deckel von Plastikflaschen wurden zum Kochtopf umfunktioniert und kleine Stöckchen dienten als Löffel zum umrühren. Einmal spielte ich auch mit Tumaini Motorrad fahren indem wir eine Bank zu unserem Motorrad umfunktionierten. Wir fuhren eine lange Strecke mit vielen Kurven und er machte die lauten Motorgeräusche nach. Das hat super viel Spaß gemacht.


Auch, wenn ich mich in der ersten Zeit noch sehr neu hier fühlte und auch manchmal das Gefühl hatte die Menschen um mich leben an mir vorbei gab es ein schönes Ereignis in dem ich gespürt habe, dass die Menschen sehr hilfsbereit sind und mich so langsam in ihrer Gesellschaft aufnehmen. Ich hatte nämlich an einem Abend heftige Bauchkrämpfe und hatte gerade Wasser in den Wasserkocher gegeben, um es für meine Wärmflasche zu erhitzen, da fiel der Strom aus. Das Wasser war aber noch nichtmal lauwarm und ich wollte schon wieder auf mein Zimmer gehen da, nahm ein Mädchen den Wasserkocher und kippte das Wasser in einen Topf und stellte diesen auf den Gasherd. Sie wartete geduldig mit mir bis das Wasser heiß war, füllte es dann nochmal um, um es dann in die Wärmflasche zu füllen. Ich war überrascht von ihrer Hilfe aber vor allem sehr dankbar.

Wenig später kam auch der Strom wieder zurück und ich höre ein „thank you god“ weil das auch bedeutete, dass der Fernseher wieder ging und sie den spannenden Film weiter gucken konnten 😅.


In der zweiten Woche im Nikolaushaus fuhren wir mit Clemence, einem Leiter, in die nächst größer Stadt Bukoba. Wir mussten uns nämlich um unsere Aufenthaltsgenehmigung kümmern. Wir waren zunächst mit einem Touristenvisum eingereist, welches nur für 3 Monate gültig ist. Wir fuhren zu einem Büro und mussten viele Dokumente abgeben, aber das Witzige passierte danach. Es war gerade morgens und als wir uns mit Clemence, mit dem wir unterwegs waren, uns wieder auf dem Rückweg machten fragte dieser auf einmal ob wir Hunger hätten und kurz danach ob wir Milch mögen. Wir sagten ja und so hielt er wenig später an. Er sagte er sei sehr hungrig und lief zu einem offene Fenster und gab uns zu verstehen, dass wir uns auf die Bank daneben setzen sollen. Wenig später kam er mit 3 Plastiktassen zurück. In diesen befand sich bestimmt jeweils ein halber Liter Milch. Sie war noch heiß aber schmeckte sehr gut denn sie war sogar etwas süßlich. Margarethe und ich waren trotzdem ein bisschen von der Situation irritiert. Jetzt saßen wir hier zu dritt und tranken jeweils einen halben Liter Milch zum Frühstück. Vor allem trank Clemence ziemlich schnell und wir konnten bei dem Tempo kaum mithalten, was auch ein bisschen unangenehm war, weil er viel früher fertig war 😅. Dann kam noch eine Frau vorbei und jeder von uns durfte sich ein kleines, süßes Teilchen nehmen. Es war so ein frittiertes Bällchen, wie wir es auch schon aus der Sprachschule kannten, und es schmeckte sehr gut. Als auch Margarethe und ich dann ausgetrunken hatten ging der Leiter zum Auto vor und signalisierte uns, dass er schon bezahlt hätte. Er sagte, dass es 10.000 Tsh gekostet hatte was umgerechnet 37ct sind aber uns war es trotzdem sehr unangenehm. Wenig später erwähnte er dann noch, dass wir gerade Büffelmilch getrunken hatten 😅. Vielleicht besser, dass wir das erst im Nachhinein erfahren haben.


Ein anderes Mal wo wir mit dem Leiter und einer Ordensschwester in der Stadt waren und gerade im Auto saßen passierte auch etwas, was ich hier teilen wollte. Margarethe und ich saßen gerade zu zweit im Auto während die anderen ein paar Besorgungen machten. Auf einmal reichte ein Mann durch die offene Fensterscheibe FlipFlops ins Auto rein und wollte erst seinen Arm wieder raus nehmen, wenn wir etwas gekauft hatten. Er redete die ganze Zeit auf Swahili und wollte einfach nicht mehr gehen. Das war irgendwie super lustig aber auch unangenehm und als er weg war machten wir das Fenster wieder zu.

Später hielten wir nochmal an einer anderen Stelle, wo wir beide wieder sitzen blieben. Diesmal hielten wir genau an einem Laden vor dem viele Männer hockten. Sie erblickten uns und zeigten sofort auf ihr Handy und signalisierten, dass sie unsere Nummer haben wollen. Wir schüttelten den Kopf und versuchten wo anders hin zu gucken. Das Auto stand halt aber auch genau so, dass wir ihnen direkt in die Augen guckten und da sie uns die ganze Zeit anstarrten konnten wir auch nicht lange weggucken. Einmal zeigte der eine der Männer ein Herz mit seinem Händen woraufhin ich auch eins zeigte und es dann aber zerbrach. Er tat so, als würde er weinen und wir konnten uns vor lachen nicht mehr halten. Dann fuhren wir auch schon weiter und als wir zum Abschied winkten konnte er wieder lächeln 😅.



Tumaini, den ich in diesem Beitrag erwähnt habe:



Das waren ein paar kleine Situationen aus meinen ersten beiden Wochen, die mir im Kopf hängengeblieben sind.

Nächste Woche berichte ich ein bisschen ausführlicher von den Eindrücken aus der nächst größeren Stadt Bukoba.




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