top of page

Ess- und Trinkkultur 🍚

  • Autorenbild: Nora Klammt
    Nora Klammt
  • 1. Juni 2024
  • 4 Min. Lesezeit

Insgesamt kann man sagen, dass die tansanische Küche eher bedürfnis- als geschmacksorientiert ist. Die tägliche Speisenauswahl ist einseitig und kohlenhyratreich und es ist anzumerken, dass das Essen und Trinken in Tansania meist auf die Kalorienzufuhr reduziert ist. Eine Ausnahme bildet die Insel Sansibar und die Küsten, wo viele Gewürze verwendet werden und dank arabischen und indischen Einflüssen eine kulinarische Vielfältigkeit herrscht. Im Rest des Landes werden Gewürze und Kräuter nur sparsam verwendet und kulinarische Finesse fehlt.


Je nach Region und Klima dominieren andere Nahrungsmittel, aber die landestypischen Grundnahrungsmittel sind Maisbrei (ugali) und gekochter Reis (wali). Dazu gibt es eigentlich immer Bohnen (marahage). Reis oder Ugali mit Bohnen gibt es bei vielen Menschen in Tansania täglich. Das macht satt und ist vergleichsweise günstig. Ich habe sogar schon davon gehört, dass in manchen tansanischen Kinderheimen Backpulver mit an das Ugali gemischt wird, damit sich die Bäuche der Kinder schneller aufblähen und sie somit schneller voll sind. Das fand ich sehr erschreckend zu hören. Im Nikolaushaus, also dem Kinderheim wo ich lebe und arbeite, gibt es glücklicherweise etwas mehr Abwechslung beim Essen und kein Backpulver im Ugali. Aber jetzt erstmal zu weiteren tansanischen Lebensmitteln.


In manchen Regionen Tansanias kann man auch die Grundnahrungsmittel Maniok und/oder Cassava finden - je nachdem, ob man die Blätter (Maniok) oder die Knolle (Cassava) der Pflanze meint. Auch Kochbananen gibt vielerorts. Sie werden entweder frittiert oder gekocht und in einigen Landesteilen verarbeitet man sie auch zu einem Brei (Matoke). Häufig wird auch Pilaw gegessen. Das ist normaler Reis, welcher mit verschieden Gewürzen verfeinert wird und somit einen interessanten Geschmack hat. Die Gewürzmischung setzt sich aus Nelken, Koriander, Pfeffer, Zimt, Kardamom, Kumin und Knoblauch zusammen.

Als Beilage gibt es neben Bohnen auch Kohl (Kabichi) oder eine Art Spinat. Eine weitere beliebte Beilage sind Dagaa. Das sind kleine, salzige, getrocknete Fische die auch bei uns hier im Viktoriasee gefischt werden. Auf dem Land sind diese Fische meist die einzige tierische Proteinquelle. Fleisch wird zwar auch gern gegessen, aber da es relativ teuer ist, wird es nur in kleinen Mengen serviert. Wenn es ausnahmsweise mal Fleisch in Nikolaushaus gibt dann bekommt jedes Kind immer 2-3 Stückchen, die ungefähr so groß sind wie ein Würfel eines Brettspiels.


Eins meiner Lieblingsgerichte, das auch die Kinder gerne essen, ist Chips Mayai. Chips sind Pommes und Mayai Eier auf Swahili. Man kann sich das Gericht wie ein Omelette vorstellen, in das Pommes eingebacken sind. Die Pommes sind lange nicht so knusprig wie die, die ich aus Deutschland kenne, sondern sehr labberig und von fett durchzogen aber trotzdem sehr lecker.


An Festtagen isst man in Tansania üblicher Weise Fleisch. Es gibt Hühnchen (Kuku) oder kleine Fleischspieße (mishkaki), die über dem offenen Feuer geröstet werden. Nyama chora, eine weitere einheimische Spezialität, wird zu besonderen Anlässen aufgetischt. Es handelt sich um gegrilltes Fleisch, das allerdings gute Zähne und einen festen Biss erfordert. Ziegenfleisch (nyama ya mbuzi) gibt es meist nur zu wirklich feierlichen Ereignissen.


Neben diesen Hauptgerichten gibt es auch noch eine ganze Menge an Snacks die man am Straßenrand an kleinen Ständen günstig erwerben kann. Wir haben uns da auch schon durch alles mögliche durchprobiert.

Chapati - frittiertes Fladenbrot (ähnlich Pfannkuchen)

Kitumbua - frittiertes Bällchen (ähnlich Quarkbällchen ohne Zucker drum herum)

Mandazi - kleine, frittierte Teigtaschen, die leicht süßlich schmecken

Mahindi - gerösteter Maiskolben (schmeckt aber ganz anders als in Deutschland)

Samosa/ Sambusa - frittierte, gefüllte Teigtaschen (Fleisch oder Gemüse) -> mein absoluter Lieblingssnack


Auffällig ist, dass nahezu alles frittiert ist. Tansanier benutzen sehr gerne Fett zumal sie auch oft keinen Backofen besitzen.


Was wir auch gerne snacken ist Zuckerrohr (Mua), was sogar auch hier auf dem Gelände wächst. Hat man die Schale abgesäbelt kann man auf dem faserigen Stab rum kauen um den süßlichen Saft zu gewinnen.


Weitere Snacks sind Heuschrecken (Senene). Viele Tansanier essen sie gerne, da sie fettreich sind und gut schmecken (fand ich nicht 😅). Hier im Nikolaushaus gab es auch schonmal Senene und die Kinder waren eine ganze Weile damit beschäftigt die Flügel der Tiere abzureißen um sie dann anschließend zuzubereiten. Ähnlich wird es auch bei Kumbi Kumbi gemacht (siehe Beitrag vom 23.12.2023), was eine Termitenart ist und auch von den Menschen hier sehr gerne gesnackt wird.


Traditionelle Getränke sind Kräuter- oder Schwarztee mit oder ohne Milch. Besonders beliebt sind auch kohlensäurehaltige Limonaden (Sammelbegriff: Soda). Obwohl man Kaffee in Tansania selber anbaut, wird er hier weder geröstet noch sonderlich gern getrunken. Die tansanischen Kaffeebohnen werden an gute Röstereien in Europa verkauft.   


Hier im Nikolaushaus gibt es jeden Tag mindestens einmal Reis mit Bohnen. Selten gibt es auch Kochbananen oder Kartoffeln als Hauptnahrungsmittel. Neben Bohnen gibt es auch manchmal Kohl oder Dagaa (die kleinen Fische) als Beilage und einmal die Woche gibt es Fleisch und für jeden ein Ei. Nach dem Mittagessen gibt es fast immer Wassermelone oder Ananas. Abends gibt es auch ab und zu Avocados und kleine Bananen. Unterwegs kaufen wir auch oft und gerne Passionsfrüchte und Mango.

Zum Frühstück gibt es hier übrigens Toast mit Marmelade oder Erdnussbutter und am Nachmittag gibt es einen sehr flüssigen Brei zu trinken, der Uji genannt wird, was eigentlich mit Porridge übersetzt wird.


Für mich war das Essen hier schon eine Umstellung, da man oft nicht aus Genuss isst, sondern nur um den Hunger zu stillen. Margarethe und ich haben sich dann mal Ketchup und Sojasauce gekauft und seitdem hat man immerhin nicht jeden, sondern nur jeden zweiten Tag das Gleiche. Ich bin trotzdem dankbar für das Essen hier, denn ich weiß, dass es hier durch die variierenden Beilagen auch verhältnismäßig viel Abwechslung gibt. Außerdem habe ich gelernt, meinen deutschen Luxus noch mehr wertzuschätzen und die Erfahrung gemacht, dass weniger ausreicht. Ich finde es zwar nicht gut, dass die Menschen und vor allem auch die Kinder sehr wenig Obst und Gemüse essen aber dafür gibt es hier kaum verarbeitete Lebensmittel und wenn, können diese sich viele nicht leisten.

Ihr könnt euch nicht vorstellen wie unfassbar gut mir hier eine Tütensuppe schmeckt oder wie sehr wir uns alle 14 Tage auf eine Packung Gummibärchen freuen. Es ist schon krass wie verwöhnt man ist. Und ich finde es interessant, dass das Essen hier hauptsächlich da ist um den Hunger zu stillen und man in Deutschland auch viel aus Genuss isst. Ich überlege mir jetzt manchmal schon was ich dann unbedingt essen will, wenn ich wieder zurück bin aber ich finde es auch interessant ein Jahr hier zu sein und auf einen Teil meines Luxus zu verzichten.





















 
 
 

Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen
Beitrag: Blog2_Post
  • Facebook
  • Twitter
  • LinkedIn

©2023 norAfrica. Erstellt mit Wix.com

bottom of page