Essen und Affentheater 🙉
- Nora Klammt
- 7. Okt. 2023
- 4 Min. Lesezeit
Ich habe ja schon kurz erwähnt, dass es einige Pausen bzw. Mahlzeiten gibt. Aber jetzt noch mal genauer. Hier gibt es, wenn man so will, jeden Tag 5 Mahlzeiten.
Das Frühstück besteht aus dickem Weizentaost mit Marmelade oder Erdnussbutter. Manchmal gibt es auch Rührei oder Jogurt.
Als Nächstes gibt es dann um 10 Uhr die erste Teepause, in welcher immer 2 große Kannen, gefüllt mit heißem Wasser und heißer Milch bereitstehen um Kaffe, Kakao oder Tee zu trinken.
Dazu gibt es in der Regel ein süßes Gebäck. Zum Beispiel süße Bällchen, die Ähnlichkeiten mit den Quarkbällchen haben, die ich vom Zuhause kenne. Oder es gibt hier auch eine Art Pancakes bzw. Pfannkuchen. Einmal gab es in dieser Teepause auch gekochte Süßkartoffel zum snacken. Das war zwar ungewohnt, aber ich fand’s total lecker.
Um 12 Uhr gibt es dann Mittagessen, was, wie wirklich jede warme Mahlzeit, Reis beinhaltet. Nach einigen Mahlzeiten habe ich mir schon mal wieder etwas anderes gewünscht, aber dann war ich einfach glücklich darüber, überhaupt etwas Gutes zu essen zu haben. Außerdem variieren die Soßen und bringen somit eine gewisse Abwechslung mit rein 😅. Es gibt Tomatensauce mal mit Bohnen, dann mit Erbsen und Möhren und auch mal mit Zucchini. Oft gibt es auch Fleisch oder Fisch. Davon habe ich bis jetzt aber eher Abstand gehalten habe, da es sehr fettig und knorpelig ist.
Gegen 16 Uhr gibt es dann die zweite Teepause, in der wieder Kaffe, Tee und Kakao bereit stehen. Hier gibt es dann auch wieder einen kleinen Snack zB. Popcorn oder Nüsse.
Um 18 Uhr ist dann Abendessen, was ziemlich genau so aussieht, wie das Mittagessen. Manchmal gibt es auch “Salate“ die aber anders als in Deutschland sind. Sie sind nicht so frisch und knackig sondern schmecken eher durchgezogen und sie bestehen eigentlich nur aus einer Zutat wie z.B. Möhren, Tomaten oder Gurken. Zu jeder Mahlzeit steht auch immer eine variierende Sorte an Obst bereit. Zum Beispiel Papaya, Banane oder Ananas. Und man muss sagen, dass das Obst hier echt super lecker ist. Es ist total frisch und geschmacksintensiv. Insgesamt ist das Essen also zwar kaum abwechslungsreich, aber es schmeckt immer gut und macht mich satt und das ist doch die Hauptsache ☺️.
mein tägliches Frühstück ein mögliches Mittagessen ein mögliches Abendessen
Ein weiterer Bestandteil eines jeden Tages sind die niedlichen Affen, die hier auf dem Gelände rumturnen. Teilweise liefern sie mit ihren Kämpfen auch eine richtige Show ab, was ziemlich spannend sein kann. Aber teilweise fanden diese Kämpfe auch schon in den frühen Morgenstunden statt und raubten dem ein oder anderen Sprachschüler den Schlaf 🙈.
Ansonsten sind sie aber auch sehr zutraulich und gucken ganz interessiert, wenn man an ihnen vorbei läuft.
Etwas weniger lustig als die Affen hier sind die vielen Stromausfälle, die für mich super unerwartet kommen und auf unbestimmte Zeit andauern. An sich stört das nicht besonders, aber neulich ist der Strom Abends ausgefallen und ich habe meine Taschenlampe in der Dunkelheit nicht gefunden 😅 naja, dann bin ich eben schlafen gegangen.
Auch das Wasser ist einmal in unseren Zimmern ausgefallen und erst nach 2 Tagen wurde das Problem vom Fixer behoben. „Fundi“ ist eine Berufsbezeichnung auf Swahili für jemanden, der alles repariert. Seien es Zähne, Menschen oder eben das Wasser 😂.
Nach einigen Tagen ist uns auch aufgefallen, dass ein wiederkehrender Gestank wahrzunehmen ist. Man sah täglich rauchende Häufchen auf den Boden, die diesen absonderten. Dann wurde uns klar, dass die Menschen hier ihren Müll verbrennen. Das riecht wirklich nicht gesund, aber ist hier anscheinend nicht verboten, sondern Standard.
Es ist definitiv in vielen Bereichen eine totale Umstellung zu meinem Leben in Deutschland, aber ich merke schon jetzt, dass mir das sehr gut tut. Dass ich mir nicht nur sage, dass ich privilegiert bin und im Gegensatz zu anderen Menschen im Luxus lebe, sondern dass ich tatsächlich für eine Weile auf einen kleinen Teil von meinem gewohnten “Luxus“ verzichte.
Natürlich vermisse ich mal eine warme Dusche, das deutsche Essen und und und, aber es ist kein schmerzhaftes Vermissen, sondern die Realisation, dass ich eigentlich viel mehr habe, als ich zum glücklich sein brauche.
Darüber hinaus bin ich mir natürlich bewusst, dass schon die Tatsache, dass ich hier in Tansania sein kann, natürlich immer noch ein großer Luxus ist, den viele Menschen nicht haben. Und dass ich natürlich meine Privilegien als deutsche, weiße Frau nicht mit einem Verzicht auf eine warme Dusche ablege.
Ich urteile über meine aktuelle Wohnsituation hier, dabei bin ich vielleicht einfach nur verwöhnt. Ich habe mir schon oft gesagt, dass es mir sehr gut geht. Hier zu sein zeigt mir nochmal mehr, dass es viel zu viele Menschen gibt, die den Maßstab viel zu hoch (und vielleicht auch falsch) ansetzten. Die immer nur nach etwas vermeintlich Besseren streben, aber dabei vergessen, die Dinge die sie haben wertzuschätzen.
Ich habe in der Sprachschule von meiner Lehrerin etwas spannendes gelernt: Während man in Deutschland sagt, dass es einem vielleicht gerade schlecht geht (wieso auch immer), gibt es auf Swahili für diesen Ausdruck keine Übersetzung. Wenn es einem hier schlecht gehen sollte sagt man eben, dass es einem nur ein bisschen gut geht. Vizuri kidogo - ein bisschen gut ist also der Ausdruck für unser schlecht. Es wirkt für mich so, als würden viele Menschen hier also oft in allem Negativen auch das Positive sehen. Ob eine solche Grundeinstellung vielleicht dabei helfen kann, ein glücklicheres Leben zu führen? Und es gibt noch so so viel, was wir von dieser Kultur lernen können, aber dazu bald mehr…















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