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Kirche im Nikolaushaus ⛪️

  • Autorenbild: Nora Klammt
    Nora Klammt
  • 30. Dez. 2023
  • 5 Min. Lesezeit

Die Kirche befindet sich auf dem Gelände des Nikolaushauses. Eigentlich handelt es sich um eine Mehrzweckhalle, an die eine kleine Kapelle angeschlossen ist. Beide werden durch eine Tür voneinander getrennt, die nur am Sonntag geöffnet wird. An allen anderen Tagen ist diese Tür geschlossen und in der Mehrzweckhalle können die Kinder vom Nikolaushaus spielen. Das ist vor allem praktisch, wenn es regnet, da die Halle überdacht ist und somit einen großen, trockenen Spielbereich ermöglicht.

Am Sonntag ist die Tür offen und in der Mehrzweckhalle werden viele Plastikstühle als Sitzgelegenheit aufgestellt. Zudem werden Teppiche ausgerollt, auf denen oft Mamas mit ihren kleinen Kindern sitzen. In der Kapelle stehen einige Holzbänke auf denen links die Kinder vom Nikolaushaus und rechts die Kinder vom außerhalb Platz nehmen.

Neben den Bänken befindet sich in diesem vorderen Teil auch ein Altar, ein Ambo und das Tabernakel. Das Gebäude ist aus grauem Stein gebaut und das Dach besteht aus einem Holzgebälk, über welchem Wellblech liegt. Weder die Wände noch die Fenster sind hier verziert. Es gibt also keine üppigen Bemalungen oder bunte Fensterscheiben. Im Vergleich zu vielen deutschen Kirchen, die ich vor Auge habe ist alles sehr schlicht gehalten. Den Altar ziert lediglich ein weißes Tuch und es gibt 2 Kerzenhalter und einen Buchhalter in Gold. In der Mitte hinter dem Altar hängt ein Kreuz und es gibt noch einen Sockel auf dem eine Marienstatue steht. Das war es auch schon soweit mit der Einrichtung.

Insgesamt wirkt es für mich im Vergleich zu Deutschland sehr kahl und überhaupt nicht so prunkvoll und detailreich. Bei der Gabenbereitung sind die Messkännchen übrigens auch nicht aus Glas, sondern es werden 2 kleine Plastikflaschen verwendet, die mich ein bisschen an leere Actimelflaschen erinnern. Das meine ich ganz neutral als Vergleich, damit man sich das etwas besser vorstellen kann. Ich bewundere die Kreativität der Menschen hier und sie konzentrieren sich auf das Wesentliche. Vor Gott sind alle gleich und wenn die finanziellen Mittel für mehr Prunk und Verzierungen nicht zur Verfügung stehen wirkt sich das nicht auf Gottes Liebe aus. Aber vielleicht ist es den Menschen der Gemeinde hier auch nicht wichtig eine sehr geschmückte Kirche zu haben.

Ich habe den Eindruck, dass die Gemeinde hier viel mehr Wert darauf legt, dass sie selbst und nicht die Kirche “geschmückt“ ist 😅. Das ist natürlich nur eine Vermutung von mir.

Am Sonntag haben die Kinder vom Nikolaushaus die schönsten Kleider an. Von denen müssen sie auch eine größere Auswahl haben, denn ich habe kaum ein Sonntagsoutfit bis jetzt schon doppelt gesehen. Die Mädchen tragen hier super schöne Kleider die teilweise mit Spitze oder Glitzer verziert sind. Manche Kleider sehen auch aus, als wären es Kostüme von Disney-prinzessinnen. Die Jungs tragen häufig ein Hemd oder ordentliche Oberteile (also sauber und ohne Löcher). Und auch bei den Schuhen wird darauf geachtete, dass sie dem Anlass entsprechend sind. Schon die kleinen Mädchen hier tragen kleine Absatzschuhe. Auch die Kinder, die von Außerhalb kommen, tragen die schönstens Sachen. Teilweise haben auch Geschwister den selben Stoff in anderen Ausführungen an. Alle Erwachsenen sind auch sehr festlich gekleidet. Die Kleider der Frauen bilden eine richtige Farbenpracht und die vielen verschiedenen Schnitte dienen uns auch als Inspiration für neue Kleider 😅☺️. Die Menschen sind alle so farbenfroh gekleidet und man sieht die unterschiedlichsten Muster. Teilweise tragen manche Frauen auch einen schicken Hut als Kopfbedeckung und andere führen sogar die ein oder andere Perücke aus.

Ich finde es echt bewundernswert wie sehr sich die Menschen hier herausputzen. Egal wie viel oder wenig sie besitzen, das Sonntagsoutfit muss wunderschön sein. Man merkt auf jeden Fall, dass vielen Menschen der Glaube sehr wichtig ist. Ich habe den Luxus hier auf dem Gelände zu wohnen und nur ein paar Meter zur Kirche gehen zu müssen. Aber viele andere Menschen kommen von weit her. Auch während des Gottesdienstes trudeln noch nach und nach weitere Menschen ein. Viele laufen mit Gehstöcken und haben oft auch noch ein Kind in einem Tuch auf dem Rücken, dass sie tragen.


Der Gottesdienst dauert zwischen anderthalb bis zwei Stunden, was sich (meiner Meinung nach) manchmal echt zieht. Der Ablauf ist sehr ähnlich zu dem in Deutschland. Hier wird insgesamt aber mehr und länger gekniet. Dafür gibt es keine Kniebänke, sondern man kniet auf dem Steinboden. Was mir viel besser als in Deutschland gefällt sind die Gesänge. Die Lieder sind oft fröhlich und werden meist mit Trommeln und Rasseln begleitet. Manchmal kommt auch ein Keyboard zum Einsatz. Die Menschen haben oft wunderschöne Stimmen und man merkt ihnen förmlich an, wie viel Spaß sie daran haben in der Kirche zu singen. Ab und an kommen auch Zwischenjodler 😅 zumindest haben Margarethe und ich das laute Jubeln was mache Frauen ab und am während des Singens von sich geben so getauft 😅.

Die Lieder kann die Gemeinde übrigens alle auswendig, weswegen es auch keine Liederbücher oder ähnliches gibt. So hat man auch auf jeden Fall immer die Hände frei zum klatschen. Es macht richtig gute Stimmung, denn alle Menschen klatschen beim Singen wie es ihnen gefällt und es gibt kein richtig oder falsch.


Es gibt übrigens 2 Pfarrer, die sich mit der Messe immer abwechseln. Einmal kam es auch vor, dass alle nur auf den Pfarrer gewartet haben. Dieser kam dann auf seinem Moped angedüst, zog sich dann kurz das Gewand über und dann konnte der Gottesdienst starten.

Nach dem Gottesdienst redet immer noch ein anderer Mann ca. eine halbe Stunde. Ich verstehe natürlich noch nicht alles, was er sagt aber ich denke das es in gewisser Weise vergleichbar mit den Vermeldungen ist, die ich aus Deutschland kenne. Das eine mal kam es dann auch vor, dass der Mann noch am reden war und auf einmal der Pfarrer, der gerade andächtig mit den beiden Messdienern ausgezogen war hastig wieder in den Altarraum trat. Er hatte nur eine Jogginghose an, verbeugte sich schnell vor dem Kreuz, ging raus und fuhr mit seinem Moped weg. Daraufhin erklärte uns eine der Ordensschwestern, dass er heute noch wo anders predigen muss. Das erklärte seinen schnellen Abgang, denn sonst blieb er noch bis der Mann fertig war um sich danach auch noch mit den Leuten zu unterhalten. Es war aber trotzdem irgendwie absurd und witzig anzusehen wie er in seiner Jogginghose durch den Altarraum lief und sich verbeuget und dann davon düste 😅.


Ich persönlich lebe meinen Glauben für gewöhnlich nicht aus, indem ich jeden Sonntag in die Kirche gehen. Hier gehe ich aber aus Respekt den anderen Menschen gegenüber mit und für die Erfahrung. Manchmal versuche ich zu verstehen, was der Pfarrer predigt obwohl ich bis jetzt nur ein paar Wörter verstehe aber oft versinke ich auch in Gedanken. Dann realisiere ich mal wieder, dass ich gerade wirklich hier bin. Auf einem anderen Kontinent so viele tausende Kilometer von zuhause entfernt. Dass ich diesen Schritt wirklich gegangen bin und mir damit einen so großen Traum erfüllt habe. Ich bin unendlich dankbar für die Möglichkeit hier sein zu dürfen.





















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