Kleidung shoppen in Bukoba 🛍️
- Nora Klammt
- 9. März 2024
- 5 Min. Lesezeit
Wie einige von euch vielleicht schon vermutet haben, gibt es hier in Bukoba kein großes Einkaufszentrum mit vielen Bekleidungsgeschäften. Generell ist es hier eher üblich sich die Kleidung schneidern zu lassen, als sie schon fertig in Geschäften zu kaufen. Das finde ich total cool, denn so kann man selbst sowohl Stoff, als auch Schnitt aussuchen. Das haben Margarethe und ich natürlich schon mehrfach gemacht. Auf dem Markt hier in Bukoba gibt es generell so viele schöne Stoffläden, dass man irgendwie immer fündig wird. Auf dem Markt sitzen auch sehr viele Schneiderinnen und ab und zu auch Schneider an ihren Nähmaschinen, die sich über neue Aufträge freuen. Aber auch außerhalb des Marktes gibt es vereinzelt Stände/Läden wo Stoff verkauft wird und auch am Straßenrand sieht man oft Schneiderinnen sitzen.
Ansonsten gibt es aber auch Bekleidungsgeschäfte mit schon fertigen Klamotten. Es scheint aber so, als kaufen die Menschen, denen ich bisher begegnet bin, hier eher selten ein. Solche Geschäfte kann man sich ein bisschen wie einem überdachten Raum am Straßenrand vorstellen, der nach vorne hin geöffnet ist. Oft stehen (weiße) Schaufesterpuppen davor und präsentieren die Klamotten. Vereinzelt gibt es aber auch kleine Läden, die eine Tür haben. Was man noch häufiger sieht (aber das nur bei gutem Wetter) sind Holzgerüste am Straßenrand, an denen Bügel befestigt sind, auf denen die Kleidung herunterhängt. Das sind meine Wahrnehmungen aus Bukoba weswegen diese Aussagen nicht auf das ganze Land übertragen werden sollten. Ich vermute, dass das in Daressalam oder Dodoma auch ganz anders aussehen kann aber davon werde ich dann berichten, wenn ich dort gewesen bin.
Mittlerweile besitze ich schon relativ viele Kleidungsstücke, die ich hier in Bukoba gekauft oder machen lassen habe. Kein einziges von denen habe ich in einer richtigen Umkleidekabine, wie man sie zum Beispiel aus Deutschland kennt, anprobiert. Trotzdem hat sich immer irgendeine Möglichkeit geboten.
Zum Beispiel liefen wir eines Dienstags durch Bukoba und erblickten einige Klamotten-Stände am Straßenrand. Oft sind das aber nicht nur Stände im Sinne von, dass da ein Tisch mit Sachen drauf steht, sondern man kann sich die Stände am Straßenrand wie ein großes Gerüst vorstellen (siehe Foto). Das Gerüst besteht meistens aus Holz und an den Balken sind Fäden befestigt an denen wiederum Bügel mit Kleidungsstücken herunterhängen.
Wir stöberten durch ein paar Kleidungsstücke, die so von den Deckenbalken runterhingen und fanden beide etwas zum anprobieren. Eine Umkleidekabine war natürlich nicht zu erkennen, aber ich wollte das Kleid, was ich gesehen hatte, unbedingt einmal anprobieren und so fragten wir eine Frau, der der Laden zu gehören schien. Wir hatten uns bei unserem Stöbern erstmal nur im vorderen Teil aufgehalten, also dem, den man vom Straßenrand aus sah. Die Frau schob dann mit ihren Händen die Kleidungsstücke vor sich auseinander und verschwand zwischen ihnen. Wir folgten ihr schnell. Nun befanden wir uns im Inneren des Gerüsts und sie lief immer noch weiter durch die Kleidungsstücke und wir hatten Not bei ihrem Schritt mitzuhalten und sie zwischen den ganzen Klamotten nicht zu verlieren. Schließlich blieb sie stehen und zeigte nach vorne. Vor uns war eine Öffnung in einer Holzwand durch die wir gingen. Nun befanden wir uns in einem kleinen „Raum“ zumindest waren an allen Seiten mehr oder wenig dicht aneinander angebrachte Holzbretter. Unter unseren Füßen befand sich Heu und an einer Wand hing ein Spiegel. Den Eingang, durch den wir gekommen waren konnte man zwar nicht verschließen, aber da wir uns so weit im inneren des Gerüsts befanden probierten wir dann dort unsere Klamotten an. Das war auf jeden Fall auch eine Erfahrung 😅.
Die ganze Zeit schon wollte ich mir unbedingt ein Fußball-Trikot von Tansania holen und wurde eines Tages auch fündig. Da es an dem Stand weder einen Platz zum umziehen, noch einen Spiegel gab zog ich es kurz drüber und ließ Margarethe ein Foto von mir machen. Da das Foto ganz gut aussah und sich das Trikot bequem anfühle beschloss ich es zu kaufen. So einfach und schnell ging das.
Wo ich gerade beim Thema Anprobieren von Klamotten bin, fällt mir noch etwas lustiges ein, was ich hier teilen möchte. Auf dem Markt geben Margarethe und ich ja häufig Kleidungsstücke in Auftrag und holen diese dann in der darauffolgenden Woche ab. Natürlich ist es aber sinnvoll diese dann gleich vor Ort anzuprobieren um noch eventuelle Änderungen vornehmen zu lassen. (Ich vermute übrigens, dass das die Menschen, die hier leben, nicht so machen sondern für eventuelle Änderungen einfach irgendwann anders wiederkommen.) Ich habe aber auch bereits beschrieben, dass es auf dem Markt keine richtigen Geschäfte und somit auch keine Umkleidekabinen gibt. Manche Schneiderinnen sitzen in einer Art Nische, in welcher einige Stoffe aushängen aber andere sitzen mitten auf einer freien Fläche mit ihrer Nähmaschine. Bis jetzt haben wir aber trotzdem immer eine Möglichkeit gefunden unsere neuen Errungenschaften vor Ort anzuprobieren. Dafür haben wir immer eine Leggings und ein Top unter unseren Outfits. Sitzt die Schneiderin in einer Nische ziehen wir uns dort schnell bis auf Leggings und Top aus und probieren das neue Kleidungsstück an. Kann man doch irgendwie in den Laden reingucken stehen sofort mehrere Frauen bereit, die einen Sichtschutz für einen bilden 😅. Naja und wenn wir bei einer Schneiderin sind, die keinen „Laden“ bzw. keine Nische hat müssen wir eben kreativ werden. Letztens hat unsere eine Schneiderin einen Stoff geholt und ihn so gehalten, dass eine mini Kabine entsteht 😅. Ein bisschen so, als wenn es im Freibad keine Umkleiden gibt und man sich gegenseitig aus Handtüchern eine baut. Das hat gut geklappt und wir haben eine Vorstellung davon bekommen, wie das Kleid ungefähr sitzen wird. Schließlich hatten wir ja trotzdem noch eine Schicht drunter an.
Eines Dienstags waren wir mal wieder in der Stadt und dort passierte etwas absurdes. Wir schlenderten durch die „Geschäfte“. In einem kleinen Laden probierten wir ein paar Kleider an und fühlten uns die ganze Zeit sehr beobachtet. Ich hatte sogar das Gefühl, als würde ich gefilmt werden, aber dachte mir dann erstmal nichts weiter dabei.
Als wir später im Restaurant saßen schrieb Trainer Mike (mittlerweile ein einheimischer Freund von uns) mir, dass er „das Video von mir“ gesehen hätte. Ich war total verwundert und verstand nicht ganz was er meinte. Das klärte sich dann wenig später, als wir ihn durch Zufall im Restaurant trafen. Er holte sein Handy hervor und ging auf eine WhatsApp Story einer seiner Kontakte. Zum Vorschein kam ein Video was Margarethe und mich beim Betreten des Ladens zeigte und wie wir unsere Beutel abstellten um uns umzusehen. Ich war total schockiert und konnte einfach nicht fassen, dass ich in der WhatsApp Story einer fremden Frau war. Ich fragte nach, ob das die einzige Story sei, denn schließlich hatte ich mich wenige Minuten später in dem „Laden“ umgezogen und eine Umkleidekabine gab es nicht. Mike versicherte mir, dass es das einzige Video war aber ich war trotzdem total verwirrt und schockiert. In dem Geschäft waren wir seit dem auch nicht mehr drin und das haben wir auch nicht mehr vor 🥲.
Mir ist nochmal bewusst geworden, wie wichtig es ist, Menschen zu fragen, bevor man sie fotografiert und vor allem bevor man diese Bilder online teilt. Ich frage mich, wie viele Tourist*innin schon ungefragt Bilder von Menschen aus Tansania gemacht haben und diese online gezeigt und verbreitet haben. Ich selbst versuche wenig bis keine Fotos zu verbreiten, ohne die Person gefragt zu haben. Trotzdem möchte ich meine Erlebnisse dokumentieren, weswegen auch immer wider Menschen auf ihnen zu sehen sind. Auf meinen Fotos liegt der Fokus aber meist auf der Situation und nicht auf der/den Person/en, die darauf zu sehen sind. Zudem versuche ich weitestgehend, dass die Gesichter nicht ungefragt zu erkennen sind.
An dieser Stelle möchte ich auch nochmal erwähnen, dass die Fotos einen Teil meiner persönlichen Erlebnisse darstellen und niemals auf das ganze Land, noch auf den ganzen Kontinent Afrika bezogen werden können.















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