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Mein erstes Kleidungsstück und unsere erste Taxifahrt 👗

  • Autorenbild: Nora Klammt
    Nora Klammt
  • 17. Dez. 2023
  • 6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 6. Jan. 2024

Am 10.10.2023 sind Margarethe und ich wieder mit in die Stadt gefahren. Wir hatten uns vorgenommen unser erstes Kleidungsstück in Auftrag zu geben. Auf dem Markt angekommen, gingen wir dann zu den Bereich, in dem viele Stoffe verkauft werden und viele Frauen mit ihren Nähmaschinen sitzen. Dort angekommen wurden wir mal wieder sehr oft angesprochen und in diverse “Geschäfte“ reingebeten. Ich schreibe Geschäfte in Anführungsstrichen weil es sich meistens eher um Holzstände handelt, auf denen die Stoffe angeboten werden. Manchmal hat man auch wie einen kleinen Laden, aber dann ohne richtige Eingangstür, sondern die Seite nach vorne ist komplett offen.

Auf jeden Fall hörten wir von allen Seiten „Karibu“ also „Willkommen“ und teilweise liefen uns auch Menschen noch hinterher und nahmen ein, zwei Stoffe mit, die sie uns zeigen wollten. Wir waren echt ein bisschen überfordert, denn schließlich wollten wir doch erstmal nur in Ruhe gucken. Das war ein bisschen so ein Gefühl als wenn man in Deutschland einem Laden betritt und sofort ein Mitarbeiter auf dich zukommt und Hilfe anbietet, obwohl man doch nur gucken möchte. Nur hier war es halt nicht nur ein Mitarbeiter sondern ganz viele und sie ließen auch nach einem „Nein danke“ nicht locker 😅.

Schließlich fanden wir ein Geschäft was einen ruhigeren Eindruck machte. Es war auch wie so ein kleiner Raum, der nach vorne hin komplett offen ist und alles hing voller bunter Stoffe. Wir traten ein und waren total fasziniert von dem Anblick. Tausend Farben und Muster und ein Stoff schöner als der andere. Erst nach ein paar Minuten bemerkte ich so richtig, dass sich hinter dem Tresen eine Frau befand, die gerade an einer Nähmaschine saß und einen wunderschönen Stoff verarbeitete. Auch als wir uns bestimmt noch mindestens eine halbe Stunde umguckten machte die Frau seelenruhig ihre Arbeit und wir konnten ungestört jeden Stoff begutachten.


Es war wirklich eine unfassbar große Auswahl und ich versuchte mir vorzustellen, wie die Stoffe wohl als Kleider oder Röcke aussehen würden. Man brauchte echt eine gewisse Vorstellungskraft, denn man musste ihr ja dann genau sagen, welchen Schnitt man haben möchte.



Schließlich entschied ich mich für einen Stoff, der mir gleich schon zu Beginn ins Auge gefallen war. Er war hauptsächlich gelb und mit blau und rot verziert. Schon allein die Farben beeindruckten mich aber auch das Muster passte meiner Meinung nach zu mir. Die Frau in dem Laden sprach genau so viel Englisch wie wir Swahili - also fast garnicht und so verständigten wir uns mit Händen und Füßen. Ich signalisierte ihr, dass ich mich für diesen Stoff entschieden habe und zeigte ihr ein Foto auf meinem Handy von einem Schnitt, den ich mir vorstellte. Daraufhin holte sie ein Heft hervor und als sie es aufschlug erkannten wir ganz viele Skizzen von Kleidungsstücken. An den Linien standen die Maßeinheiten und auf jeder Skizze klebte ein winziger Schnipsel des dazugehörigen Stoffes. Sie holte nun also auch einen Kuli hervor und fing an das Kleid auf dem Bild zu skizzieren. Dann stimmte ich nochmal zu und sie kam mit einem Maßband zu mir und meine Maße zu nehmen. Sie redete auch fast durchgängig etwas auf Swahili aber vermutlich dachte sie nach meinem Satz „Mimi najifunza Kiswahili“ (= Ich lerne Swahili), dass ich schon etwas mehr verstehen würde 😅. Teilweise kannte ich auch das ein oder andere Wort und manchmal konnte man sich auch erschließen was sie gerade erzählt oder fragt.


Danach hat auch Margarethe ein Kleidungsstück in Auftrag gegeben. Wir haben uns die ganze Zeit bei ihr sehr wohl gefühlt und darauf vertraut, dass es am Ende gut aussehen wird. Wir mussten dann auch gleich bezahlen und naja wie gesagt drauf vertrauen, dass es uns am Ende gefallen wird bzw. dass sie es überhaupt schneidert denn einen Kassenzettel oder einen anderen Nachweiß, dass wir bezahlt haben, hatten wir nicht. In der Situation selbst war das für mich total normal aber erst als ich Leuten aus Deutschland davon erzählte und das deutsche Mindset wahrnahm, viel mir auf, wie unterschiedlich das Denken doch ist. In Deutschland muss alles genau dokumentiert werden und hier vertraut man einfach darauf, dass alles glatt laufen wird. Das ist doch viel entspannter!

Bezahlt habe ich übrigens 35.000 Tsh was umgerechnet ca. 15€ sind. Und das für den Stoff und ihre Arbeit daraus das Kleid zu schneidern. Man hat richtig gemerkt wie sie sich über die neuen Aufträge gefreut hat aber wir haben trotzdem vor beim nächsten Kleidungsstück (und das kommt bestimmt) zu einer anderen Schneiderin zu gehen. So scheint es für uns etwas gerechter als immer zu der Selben zu gehen und somit nur sie Profit macht.

Am Ende sagten wir noch, dass wir die Kleidung dann genau in einer Woche abholen würden, also wieder am Dienstag, wenn wir mit in die Stadt fahren.



Eine Woche später, am 17.10.2023 konnten wir dann endlich unsere Aufträge bei der Schneiderin abholen. Wir waren Vormittags gegen 11 Uhr da aber sie gab uns zu verstehen, dass sie noch nicht fertig sei. Wir sollen gegen 13/14 Uhr wieder kommen. Das war für uns auch ok, nur das hieß, dass wir Clemence und der einen Schwester, mit der wir hergefahren waren Bescheid geben müssten, dass wir nicht mit ihnen zurück fahren.

Bis jetzt waren wir nämlich immer mit ihnen hin und zurück gefahren. Clemence zeigte uns dann aber eine Taxi Station und sagte dass es kein Problem sei so wieder zurück zum Nikolaushaus zu kommen. Das war also auch geklärt.

In der Zwischenzeit schlenderten wir ein bisschen über den Markt und ich habe mir 3 neue Stoffe gekauft 😅. Die sind echt alle wunderschön und ich kann es schon garnicht mehr abwarten auch diese in Auftrag für ein neues Kleidungsstück zu geben ☺️.


Danach setzten wir uns noch in ein kleines Café, welches irgendwie so garnicht in die Umgebung passte. Es sah verhältnismäßig schick aus und so clean da es ganz weiß gehalten war. Die Auslage, in der das Gebäck lag war sogar Gold verziert. Wir wollten uns einfach mal ein bisschen durchprobieren und so bestellten wir uns gemeinsam 5 kleine, süße Teilchen und jeder einen Saft. Dann fragte ich nach dem Preis und wir verstanden etwas mit fünf und so reichte ich ihr 50.000 Tsh Schilling (ca. 18€) aber sie nahm nur einen Schein und brachte mir Wechselgeld. Es hatte also nicht 50.000 Tsh gekostet sonder 5.000 Tsh was knapp 2€ sind. Und das für unsere 5 Gebäcke und 2 Säfte. Damit hatten wir nun wirklich nicht gerechnet. War auf jeden Fall wieder schön unangenehm 😬😅.

Gegen 14 Uhr gingen wir dann zu der Schneiderin und ich konnte mein fertiges gleich sofort sehen. Ich zog es einmal drüber und war sofort verliebt 🥰. Es sah wunderschön aus und ich bedankte mich mehrfach bei ihr. Ich nahm mir vor das Kleid sofort am nächsten Sonntag in der Kirche anzuziehen.



Dann stand jetzt aber natürlich auch noch die Rückfahrt auf dem Plan. Wir gingen zu dem Taxistand und ich fragte zwei Männer, ob sie uns für beide für 2.000 Tsh zum Nikolaushaus bringen würde. Den Preis hatte uns Clemence vorher gesagt, damit wir nicht unnötig viel bezahlen müssen. Der eine Mann wollte (wie zu erwarten war) viel mehr Geld aber ich verhandelte bis wir bei 3.000 Tsh für uns beide waren. Damit konnten wir leben und so stiegen wir ins Taxi.


Nach 10 Minuten waren wir immer noch nicht losgefahren und so vermutete wir, dass noch mehr Menschen einsteigen würden damit es sich mehr lohnt. Wenig später tauchte auch eine Frau auf Margarethes Seite auf. Margarethe rutschte also in die Mitte und die Frau stieg ein. Jetzt war das Auto voll, denn es schien so, als würden beide Männer mitfahren und somit war der Beifahrersitz auch belegt. Doch dann stieg die Frau, die mit uns auf der Rückbank saß, wieder aus. Kurz danach stieg ein schmaler, junger Mann ein. Und dann auch noch die Frau von gerade eben. Richtig. Wir saßen jetzt zu viert hinten. 3 Frauen mit einem breiten Becken und ein schmaler Mann 😅. Die Tür ging gerade so zu uns als wir nach einer halben Stunde Fahrt am Nikolaushaus ankamen und der Fahrer meine Tür öffnete wurde ich auf einmal rausgedrückt 😅.


Während der Fahrt hielten wir auch einmal am Straßenrand und ich hatte schon die Befürchutung, dass womöglich jemand noch in den Kofferraum stiegen würde. Kurz danach fuhren wir aber wieder weiter - ohne neuen Insassen 😅. Die Autofahrt war rückblickend ganz entspannt und wir haben uns sicher gefühlt. Ja, es war etwas eng aber so musste bzw. konnte man sich auch garnicht mehr anschnallen 🥲. Es ist doch irgendwie verrückt wie schnell ich mich hier eingelebt habe. Ich hinterfrage kaum bis nie etwas was einem in Deutschland total absurd vorkommt. Ich genieße es sehr, dass viele Menschen hier nicht so engstirnig und egoistisch sind, wie ich es teilweise aus Deutschland kenne. Ich genieße die tansanische Mentalität und kann mir jetzt schon vorstellen, dass das Ankommen in Deutschland für mich eine krassere Umstellung wird.


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