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Reisetagebuch Teil 1 (von Kemondo nach Mwanza) ⛴️

  • Autorenbild: Nora Klammt
    Nora Klammt
  • 23. Juni 2024
  • 5 Min. Lesezeit

Schon das ganze Jahr über war es Margarethes und mein großer Traum auf eigene Faust durch Tansania zu reisen. Abseits von geführter Safaritour, Touristen Spots und westlichen Hotels wollten wir das Land noch besser kennenlernen. Seine Vielfältigkeit und Schönheit erforschen und uns treiben lassen. An einem Montag im April kauften wir uns am Nachmittag ein Fährticket für den selben Abend und dann startete auch schon unsere 3-wöchige Reise durch Tansania. Außer den Fährticktes hatten wir nur zusammen einen großen Rucksack und einen kleinen Handgepäcksrucksack dabei. Keine Buchungen für Hotels, keine Ticktes für den weiteren Verlauf der Reise oder sonst etwas, was schon geplant war lastete auf uns. Dafür war da ganz viel Spontanität und vor allem Abenteuerlust.

In den nächsten Zeilen werdet ihr durch Auszüge meiner Tagebucheinträge einen kleinen Einblick in unser großes Abendteuer erhalten. Vorab möchte ich auch hier noch einmal erwähnen, wie dankbar ich für die Möglichkeit bin diese Reise gemacht zu haben und an erster Stelle auch dafür überhaupt hier in Tansania als Freiwillige zu sein. Das ist wirklich ein großes Privileg was ich sehr zu schätzen weiß. Und jetzt gehts los:



Montag, 29.04.2024


So! Das Ticket ist gekauft und der Rucksack gepackt. Jetzt kann es losgehen. Ich freue mich sehr auf die bevorstehenden Zeit, auf unser Abendteuer, aber mir fiel es jetzt schon schwer mich von den Kindern im Nikolaushaus zu verabschieden. Und das obwohl ich die Gewissheit habe, dass ich in 3 Wochen wieder da bin. Ich habe nochmal alle ganz fest umarmt und dann haben uns einige Kinder zum Abschied noch gewunken. Dann ging es per Boda (Moped) zum Hafen in Kemondo. Auf dem Boda haben neben dem Fahrer wie gewöhnlich Margarethe und ich beide noch Platz gefunden, nur diesmal musste auf dem Gefährt auch noch unser großer Wanderrucksack transportiert werden. Das stellte aber auch kein Problem dar, denn schließlich ist es auch keine Seltenheit, dass Mopeds mit 3 Personen + Fahrer unterwegs sind. Ja und jetzt sitzen wir am Hafen und es heißt warten, wie so oft in meinem Leben hier. Um mich herum ist es schon gut voll und viele Leute warten darauf auf die Fähre steigen zu können, aber ich bezweifle trotzdem, dass es pünktlich um 21 Uhr losgehen wird. Die Tatsache, dass wir über Nacht über den Viktoriasee fahren finde ich sehr cool und planmäßig sollen wir dann morgen früh um 8 Uhr in Mwanza ankommen. Mwanza ist eine Stadt, die im Vergleich zu Bukoba (also der nächst größeren Stadt bei uns) sehr groß ist und im Vergleich zu unserem Ort Kemondo echt riesig wirkt. Ich bin sehr gespannt und freue mich auch schon darauf, dass uns morgen früh am Hafen Julius (ein anderer Freiwilliger) abholt, der in Mwanza wohnt und arbeitet. Damit wir dann auch gut ausgeschlafen sind, haben wir uns ein Ticket für die 2te Klasse gekauft. Das bedeutet, dass wir in einer 4er Kabine mit 2 anderen Frauen schlafen werden. In der dritten Klasse gibt es keine Betten, sondern lediglich Bänke und in der ersten Klasse hätte man einer 2er Kabine für sich. Wahrscheinlich werden sich wieder ein paar Leute wundern, warum die Wazungu (Weißen) nicht mit der ersten Klasse reisen und klar könnten wir uns das auch leisten, aber das ist es mir nicht wert. Ich verzichte gerne auf die Privilegien in der ersten Klasse und freue mich auf die Erfahrung.


Mittlerweile ist es ein paar Stunden später und wir sind tatsächlich auf der Fähre. Wir saßen dann vorhin noch einige Stunden im Wartebereich, aber wir hatten es ja nicht eilig. Nachdem wir unsere Tickets gezeigt hatten, folgten wir der Schlange von Menschen durch die Dunkelheit. Am Hafen von Kemondo wird derzeit noch gebaut und so führte uns ein schmaler Pfad zur Fähre. Es ist wirklich ein großes Schiff und auch wenn es schon spät am Abend war herrschte hier reges Treiben. Viele Stimmen riefen durcheinander, Menschen mit großen Taschen, die sie gefährlich auf ihren Köpfen balancierten bahnten sich ihren Weg zum Schiff. Hier und da hörte man Kinderstimmen und rechts neben mir stapelten sich die Kochbananen. Es waren unzählige Stauden, die auf das Schiff geladen werden sollten um ihren Weg über den Victoriasee nach Mwanza zu finden. Auch riesige Säcke prall gefüllt mit Avocados und haufenweise Ananas wurde verladen. Ich hätte am liebsten noch zugeguckt aber hinter mir drängelten sich die Leute schon vorbei und so betrat auch ich die Fähre. Bevor ich mich auch nur irgendwie orientieren konnte, hörte ich einen fremden Mann meinen Namen rufen. Wir gingen dem Rufen entgegen und kamen bei einem Mitarbeiter an, der uns zu unserer Kabine brachte. Und jetzt sitze ich hier im Hochbett, unter mir Margarethe und in den anderen Betten 2 tansanische Frauen, die wir kurz begrüßt haben. Die beiden sind dann sofort eingeschlafen und auch ich sollte die Augen zu machen. Es ist alles gerade sehr aufregend, denn ich höre immer noch laute Stimmen und wir werden wahrscheinlich in wenigen Augenblicken ablegen und wenn ich aufwache, dann sind wir in Mwanza.



Samstag, 04.05.2024


Mittlerweile sind wir schon ein paar Tage in Mwanza bei Julius und haben schon einiges erlebt. Wir haben uns die Einsatzstelle von Julius angeguckt und er hat uns viel gezeigt. Wir waren oft essen, sind über den Markt geschlendert und haben nahezu täglich einen Zuckerrohrsaft auf der Straße getrunken. Ich finde das immer noch lustig, dass man für 500 Tsh (umgerechnet für knapp 20 ct) an einem Stand am Straßenrand sich einen frisch zubereiteten Zuckerrohrsaft kaufen kann. Während das Zuckerrohr durch die Maschine gejagt wird um den Saft zu gewinnen, steht man daneben und trinkt aus einem Glas seine 250ml Saft. Ist man fertig so lässt man sein Glas stehen und geht seines Weges weiter.

Am Donnerstag hatte ich dann Geburtstag und bin 19 geworden. Wir haben bei einer Location reingefeiert und 0 Uhr standen Margarethe und ich auf der Bühne. Am nächsten Tag haben wir auf meinem Wunsch hin etwas entspanntes gemacht. Wir waren bei einer Hotelanlage, wo man für ein paar Euro den Poolbereich nutzen durfte. Abends waren wir dann schön am Wasser beim Sonnenuntergang essen und so war es echt ein sehr schöner Geburtstag.

Außerdem haben wir an dem Tag auch schonmal versucht Tickets für den Zug zu kaufen. Es gibt in Tansania nämlich eine Zugstrecke, die von Dar es Saalam, Tansanias größten Stadt, bis nach Kigoma bzw. nach Mwanza fährt und zurück. Das wollten wir unbedingt machen, doch als wir am Donnerstag das Ticket für Samstag kaufen wollten, war keiner in dem Büro. Deswegen sind wir gestern nochmal hingefahren um es erneut zu versuchen. Das Büro war aus unerklärlichen Gründen immer noch geschlossen, aber glücklicherweise trafen wir die Putzfrau an, die uns erklärte, dass der Zug nun Sonntag anstatt Samstag fahren würde. So haben wir uns vorhin zum dritten Mal auf den Weg gemacht um die Tickets zu kaufen und diesmal hat es wirklich geklappt. Wir wissen immer noch nicht warum der Zug nicht wie üblich heute, sondern erst morgen fahren soll, aber immerhin haben wir jetzt ein Ticket. Wir haben uns für die 2te Klasse entschieden, was bedeutet, dass wir in einer 6er Schlafkabine übernachten werden. Die Zugfahrt wird nämlich einige Zeit dauern. Unser Plan ist es derzeit bis nach DAR (Dar es Saalam) durchzufahren, was ca. 1200 Kilometer sind. Das soll anscheinend mindestens 40 Stunden dauern, aber wie so oft, fangen wir erst garnicht damit an etwas genauer zu planen. Der Ticketkauf vorhin hat auch schon wieder 2 Stunden gedauert. Was so lange gedauert hat kann keiner erklären. In der Theorie mussten nur Daten von unserem Reisepass ins System übertragen werden und uns gegen Geld das Ticket ausgehändigt werden. In der Praxis schien das dann doch komplizierter zu sein, zumal die Frau hinterm Tresen schon etwas älter und auch nicht mehr die schnellste im abtippen der Daten war. Zudem passierte es nicht selten, dass sie sich vertippte und nicht wusste wie sie einen Buchstaben wieder löschen kann oder gar, dass sie etwas drückte und dann garnicht mehr weiter wusste. Naja die Hauptsache ist ja, dass wir jetzt unser Ticket für morgen früh haben.




















 
 
 

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