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Reisetagebuch Teil 2 (weiter mit dem Zug nach Dar es Salaam) 🚂

  • Autorenbild: Nora Klammt
    Nora Klammt
  • 29. Juni 2024
  • 6 Min. Lesezeit

Sonntag, 05.05.2024


Alles ist sehr aufregend und wir sitzen mittlerweile im Zug. Gestern hatten wir noch einen richtig schönen letzten Abend in Mwanza. Wir waren mit Julius bei einem echten Geheimtipp. Und zwar wohnt in Mwanza eine indische Mama, die auf Bestellung hin ein 3-Gänge-Menü zaubert, was man dann auf ihrer Dachterasse genießen kann. Gestern Abend waren wir die einzigen Gäste und so saßen wir dann bei einem wunderschönen Sonnenuntergang in einem Wohnviertel auf ihrer Dachterasse. Die indische Mama kocht jeden Tag etwas anderes und so hatten wir ein ganz besonderes Menü, was sie super süß anrichtete. Sie erklärte uns immer was sie da gezaubert hatte und wie man das isst. Alles war super lecker und wir hatten einen echt schönen Abend.


Ja und dann hieß es auch schon Sachen packen und heute Morgen sind wir zum Bahnhof gefahren. Wir sollten 7 Uhr da sein, aber als wir kurz vor 8 ankamen hatten wir trotzdem noch nichts verpasst. Irgendwie gab es die Wagennummer, die auf unsere Tickets gedruckt war, nicht, aber ein freundlicher Mitarbeiter führte uns zu einem Wagon und zeigte auf ein Zimmer. Als wir die Kabine betraten roch es nach Schweiß und Baby und wir sahen eine Mutter mit einem kleinen Kind in der Kabine. Die Kabine war nicht besonders groß und rechts und links waren jeweils 3 Betten so dicht übereinander angebracht, dass man darin nicht sitzen, sondern nur liegen konnte. Geradezu befand sich ein kleines Waschbecken und ein Fenster. Wir haben dann nur schnell unseren Rucksack abgestellt und sitzen jetzt im Essenwaggon mit Tee und Chapati (dünnes Fladenbrot). Was mir auffällt ist, dass viel mehr Frauen als Männer mit dem Zug reisen, was vermutlich daran liegt, dass viele Männer besser als Frauen verdienen. In dem Essensabteil sind Margarethe und ich gerade neben der Bedienung die einigen Frauen und im ganzen Zug sind wir auch die einigen Weißen. Mit einem Inlandsflug wären wir in nur wenigen Stunden in Dar es Saalam, aber für uns ist schon das Zug fahren ein Abendteuer. Der Zug fährt gemütlich durch wunderschöne Landschaften. Es ruckelt ein wenig und gerade kommt ein kühler Luftzug durch das angekippte Fenster. Draußen ist alles grün und hin und wieder sieht man Frauen und Kinder auf den Feldern die uns winken. Bei ein paar kleineren Bahnhöfen haben wir auch schon gehalten und Menschen stiegen ein und aus aber der nächst größere Stop wird heute Abend in Tabora sein. Bis dahin gucken wir weiter aus dem Fenster, lesen oder spielen Karten.


Mittlerweile ist es 15 Uhr und vor gut einer Stunde hielt der Zug auf der Strecke. Wir blieben erst sitzen weil wir dachten, dass es sich um eine weitere Station handelt, bis wir merkten, dass sehr viele Menschen ausstiegen. Dann sahen wir, dass direkt neben den Gleisen eine Feuerstelle war und einige Karren auf denen sich riesige Töpfe mit Reis und Bohnen befanden. Dahinter standen Frauen, die Essen verteilten. Viele Menschen aus unserem Zug hatten kleine Brotbüchsen aus Plastik dabei, welche sie sich befüllen ließen. Andere hatten Plastiktüten in die sie sich Reis und Bohnen reinschaufelten. Dann sahen wir auch ein paar Männer, die in einer Pfanne Chips Mayai (Pommes mit Ei überbacken) zubereiteten. Wir überlegten kurz hin und her ob wir uns da was kaufen wollen, aber wussten nicht, wie lange der Zug hier noch stehen würde. Da wir dachten, dass der Zug ja nicht ohne uns losfahren würde und da wir ja auch immer noch direkt daneben stehen würden, bestellten wir  zweimal Chips Mayai. Während der Mann es noch zubereitete hupte der Zug schon zum ersten Mal und alle stiegen langsam ein. Ich signalisierte ihm, dass er sich beeilen sollte und so gab er mir schonmal das erste Chips Mayai, was dementsprechend auch noch nicht ganz so durch war. Es war richtig heiß und wir beförderten es in eine Plastiktüte. Und auf einmal fing der Zug hinter mir an zu hupen und langsam zu rollen an. Der Mann legte mir eine Serviette auf die Hand und dann das extrem heiße zweite Chips Mayai darauf und ich reichte es Margarethe entgegen, die schon im Zug war. Danach kletterte ich selbst die 3 Stufen hoch um in den fahrenden Zug aufzuspringen, der immer mehr beschleunigte. Jetzt sind wir uns doch nicht mehr so sicher, ob der Zug immer auf alle Leute wartet. Nächstes mal versuchen wir uns zu beeilen, aber auch das ist schwierig, wenn es keine konkrete Abfahrtszeit gibt. Jetzt sitzen wir wieder hier und das Chips Mayai war auch nur so semi gut aber egal.

Gerade eben sind auch auf einmal ganz viele Bienen durch die offenen Fenster im Abteil in den Zug geflogen und alle Insassen haben panisch versucht die Bienen rauszuscheuchen und sich unter den Tischen versteckt. So schnell konnte ich garnicht reagieren und ich weiß auch nicht, wieso die Leute so große Angst vor den Bienen hatten, aber ist vielleicht auch besser so.



Montag, 06.05.2024


Mittlerweile ist der nächste Morgen und wir sind schon gut vorangekommen. Ich konnte relativ gut schlafen, obwohl es sehr geruckelt hat und der Zug immer mal wieder laut gehupt hat. Aber gestern Abend hatten wir noch einen richtigen Schock weil wir bei einem Stopp dachten, dass der Zug ohne uns weitergefahren sei. Aber nochmal von vorn.

Gestern Abend gegen 20 Uhr saßen wir immer noch im Essensabteil und auf einmal wurde dort das Licht ausgemacht und alle die darin saßen verließen das Abteil. Margarethe und ich gingen dann auch in Richtung unserer Kabine die wir aber nicht wirklich betreten konnten, denn auf dem Boden saß eine Frau aus unserer Kabine und um sie herum einige Töpfe und Schüsseln die den ganzen Boden bedeckten. Es war also unmöglich die Kabine zu betreten und außerdem roch es nach verbrannten Reis und irgendwelchen für mich undefinierbaren Gewürzen. Dementsprechend warteten wir eine ganze Weile im Gang, bis der Zug schließlich anhielt. Wir hatten Tabora erreicht und viele Menschen stiegen hier ein und aus. Wir konnten nur vermuten, dass hier auch ein längerer Stopp war. Margarethe und ich beschlossen auszusteigen und nach einer Toilette Ausschau zu halten. In dem Zug gibt es zwar auch einige Toiletten, also Räume mit einem Loch im Boden, aber es ist äußerst schwierig während der Fahrt das Loch zu treffen und wenn der Zug steht, dann fallen die Ausscheidungen durch das Loch runter auf das Gleisbett. Als wir aus dem Zug ausgestiegen sind mussten wir noch durch einen anderen Zug gehen um am Bahnhofshäuschen anzukommen. Wir wussten malwieder nicht, wie lange der Zug hier halten würde und so sprinteten wir zu den Toiletten bzw Bretterverschlag mit Loch in der Mitte und kauften danach noch schnell etwas zu essen. Als wir hektisch wieder durch den Zug stiegen, der zwischen unserem und dem Bahnhofsgebäude stand mussten wir auf der anderen Seite angekommen feststellen, dass unser Zug nicht mehr da stand. Ich sah nur noch die Rückleuchten von einem Waggon in der Ferne und wir dachten, dass es das jetzt gewesen war. Wir irgendwo in Tansania auf einem Bahnhof und unser Zug mit unserem Gepäck fährt gerade weg. Wir hatten echt Panik und wunderten uns aber zeitgleich auch, warum so viele Menschen hier noch rumstanden und warteten. Schließlich erklärte uns ein Mann, dass der Zug hier umgekoppelt wird und das noch Zeit sei, bis er weiterfahren würde. Der Waggon mit den Rücklichtern, der eben weggefahren war, kam jetzt wieder auf uns zu und wurde an einen anderen angeschlossen. Nach einigem hin und her durften wir dann wieder einstiegen und auch wenn es immer noch dauerte bis der Zug weiterfuhr blieb ich drin sitzen, denn diesen Schock wollte ich nicht noch einmal erleben.


Wir haben mittlerweile schon 23 Uhr und es kann nicht mehr lange dauern bis wir in Dar es Saalam ankommen. Wir sind seit gestern morgen um 8 Uhr unterwegs, sodass wir insgesamt auf ca. 50 Stunden Fahrt kommen. Wir haben gerade noch schnell eine Unterkunft für heute Nacht gebucht, denn eigentlich dachten wir, dass wir erst morgen früh ankommen würden. Es sind also nur noch wenige Minuten bis unsere Etappe Zug fahren beendet ist. Ich fand die Zugfahrt echt sehr spannend, schön aber auch ein bisschen anstrengend. Nach 50 Stunden wünsche ich mir endlich wieder eine Dusche und eine Nacht in der nicht alles ruckelt, aber ansonsten war es echt cool. Ich bin immer wieder fasziniert davon wie grün und wunderschön das Land ist. Am liebsten habe ich die ganze Zeit einfach nur aus dem Fenster geguckt und die schöne Landschaft an mir vorbeiziehen lassen. Wir sind über endlose Felder gefahren, dann mal durch enge Felsspalte oder waren inmitten von unzähligen Bananenbäumen. Abends malte sich der Himmel in den schönsten Farben und alles war ganz friedlich. Am nächsten Morgen wurde ich von den Sonnenstrahlen geweckt, die durch das kleine Fenster in unserer Kabine fielen und der Duft von Tee lag in der Luft. Alles war entschleunigt und neben aus dem Fenster gucken oder Karten spielen und erzählen konnte man nicht viel machen. Aber das war auch nicht weiter schlimm. Generell ist mein Leben hier das komplette Gegenteil zu dem im Deutschland. Alles ist so entspannt und der Zug war wie eine eigene Welt. Wenn man gemütlich durch das Land fährt und so gut wie nie Internet hat, genießt man einfach nur die Schönheit des Landes und ist komplett befreit von Alltagsstress, Verpflichtungen oder Sonstigem.



 
 
 

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