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Reisetagebuch Teil 4 (DAR) 🌊

  • Autorenbild: Nora Klammt
    Nora Klammt
  • 14. Juli 2024
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 21. Juli 2024

Donnerstag, 09.05.2024


Es ist 10 Uhr und ich bin gerade aufgewacht. Heute wollen wir mal Richtung Küste fahren, aber als erstes geht es natürlich wieder ChipsMayai essen.

Wir waren gestern noch lange bei diesem Fest der Fackel und das war echt cool. Ich habe zwar immer noch nicht begriffen, was es mit dieser Fackel auf sich hat, aber es war eigentlich wie ein Open Air Konzert. Mehrere tansanische Künstler traten nacheinander auf und einige junge Männer tanzten auf der Bühne. Es war richtig gute Stimmung und wir hatten echt viel Spaß. Ich muss auch sagen, dass ich Livemusik echt vermisst habe.

Was auffiel war, dass ein Großteil der Besucher gestern männlich war. Sie drängelten sich vor der Bühne und sangen laut mit. Ein paar Frauen hielten sich eher am Rand des Geschehens auf, nur Margarethe und ich waren mittendrin. Es passiert hier super oft, dass man von vor allem Männern bei solchen Veranstaltungen angefasst wird. Daran habe ich mich schon mehr oder weniger gewöhnt, oder zumindest weiß ich damit umzugehen. Am Anfang des Abends war das Anfassen auch wieder sehr extrem aber im laufe des Abends wurde es weniger. Irgendwann nahmen wir auch einen Mann hinter uns wahr, der mehr oder weniger die Versuche anderer Männer uns anzufassen verhinderte. Als Margarethe und ich irgendwann zur Toilette gingen, folgte uns der Mann und erklärte, dass er jetzt unser Bodyguard für heute Abend sei. Das war eine absurde Situation, aber er erklärte, dass er hier generell Aufpasser ist und dass er sich jetzt zur Aufgabe gemacht hat die lästigen Typen von uns fern zu halten. Ja also hatten wir so den ganzen Abend über unseren persönlichen Bodyguard. Kein Mann kam uns mehr zu nah und als jemand vor mir rauchte und ich vor meiner Nase mit der Hand wedelte nahm unser Bodyguard dem Mann der rauchte seine Zigarette aus der Hand, machte ihm eine Ansage und trat die Zigarette anschließend auf dem Boden aus. Das war wirklich verrückt, denn man kann ja niemandem verbieten zu rauchen, aber unser Bodyguard war stets auf unser Wohl bedacht. Es war wirklich ein sehr cooler Abend und irgendwann sollten „die Weißen“, also wir beide, dann auf die Bühne kommen und so tanzten wir am Ende des Abends mit vielen Leuten auf der großen Bühne.



Samstag, 11.05.2024


Es ist gerade 8 Uhr und wir sitzen im Bus nach Moshi. Das Ticket haben wir gestern gekauft und gerade gucken wir nach einem AirBnB für die nächste Nacht. War auch schon wieder typisch Tansania, dass auf dem Ticket stand, dass man 6 Uhr am Bus sein soll, aber er tatsächlich erst um 8 losfährt. Um 6 Uhr war niemand außer Margarethe und mir da. Die beiden Deutschen natürlich ;-) aber wir dachten, dass wir zumindest beim Bus fahren unsere angelernte tansanische Pünktlichkeit ablegen müssen und typisch deutsch pünktlich da sein müssen. Naja, lieber zu früh, als zu spät.

Ich wollte noch kurz von den letzen Tagen in DAR berichten. An einem Tag sind wir dann noch an die Küste gefahren, weil wir dachten, dass es dort ganz schön sei. Sagen wir so, es war auch irgendwo schön, aber ganz anders als erwartet. Unsere ausgewählte Küstenregion stellte sich als ich würde sagen Reichen-Gegend von Dar es Salaam heraus. Riesige Hotelanlagen belagerten den Strand und alles sah so sauber, ordentlich und fast schon unnatürlich aus. Es war wie eine andere Welt, die hier reingesetzt worden war. Ich fühlte mich an diesem Ort ganz fremd und fand es auch befremdlich so viele Weiße auf einmal zu sehen. Der sonst eher unebene Boden war mit riesigen Steinplatten überdeckt und zu dem riesigen Hotel, was darauf stand gehörte noch eine ganze Promenade mit Restaurants und Cafés aber auch Modeboutiquen und Souvenirshops. Die Fassaden waren oft aus Glas und dadurch konnte ich hochwertige Mode oder überteuerte Souvenirs erkennen. Für mich war es ganz ungewohnt einen Laden mit Kleidung zu sehen, die gänzlich neu und in alles Größen und Farben verfügbar ist. Wenn ich hier Kleidung kaufen gehe, dann sind die Sachen Second Hand. Vorsichtig schauten wir dann in einen riesigen Souvenirladen rein, der ein unfassbar großes Angebot hatte. Es gab jede Figur oder Trommel und auch alles andere in allen möglichen Ausführungen. Dafür waren die Preise hier auch um ein Vielfaches höher und auch wenn ich hier wirklich alles hätte kaufen können, fehlte mir eins und zwar der Charme. Viel lieber kaufe ich das ein oder andere Mitbringsel bei kleinen Läden wo es eben nur das gibt, was da ist und nicht das ganze Lager noch vollsteht. Ich weiß nicht wie ich es beschreiben soll aber mich hat diese ganze Gegend wütend gemacht. Ich sah ein fettes Auto in dem 2 Weiße saßen mit einem schwarzen Chauffeur das riesige Gelände durch ein großes Tor verlassend und wunderte mich, dass die Leute überhaupt die Hotelanlage verlassen, denn schließlich gab es hier ja alles was man braucht. Hotelzimmer, Restaurants am Strand und Einkaufsmöglichkeiten. Man konnte sogar einen Döner bestellen und erst fand ich auch die Vorstellung lustig in Tansania einen Döner zu essen, aber der Appetit verging mir ganz schnell als ich sah, dass es original jede Küche außer die tansanische hier gab. Mich macht es wütend, weil ich das Gefühl habe, dass ein Großteil der Menschen, die dort Urlaub machen, nach Tansania gekommen sind, weil sie mal in Afrika gewesen sein wollen. Aber wenn man dann nur in seinen paar hundert eingezäunten Quadratmetern lebt, die da erbaut wurden, um die westlichen Besucher anzusprechen, dann verstehe ich nicht, wieso es Tansania sein muss. Ich habe kurz fast vergessen, wo ich gerade bin, so europäisch sah für mich das alles aus. Ich kann nicht verstehen, wie man hier her kommen kann um dann einen Hotelurlaub zu machen. Wieso muss man sich seinen Luxus hier wieder suchen, dabei wäre es doch so viel wertvoller und nachhaltiger zumindest auch nur teilweise in die tansanische Kultur einzutauchen. Aber wie, wenn man da fest sitzt und vielleicht mal kurz zum nächsten Supermarkt kutschiert wird, um dann schnellst möglich wieder zurück zum westlichen Leben in die Hotelanlage zurück zu fahren. Essen gehen kann man dort, Souvenirs kaufen kann man dort aber wieso sollte man das machen denke ich mir, wenn man auch die einheimischen Läden unterstützen kann. Ich werde das wohl nie verstehen und bin froh, dass ich dort nicht länger bleiben musste, denn schon nach ein paar Minuten fühlte ich mich an diesem Ort so fremd, dass ich endlich wieder zurück ins richtige Tansania wollte. Es war wirklich wie ein kleiner Kulturschock, den ich bestimmt auch haben werde, wenn ich in nur wenigen Monaten zurück nach Deutschland komme, aber noch drücke ich mich lieber vor dieser gerade so fremden Welt.

Am nächsten Tag waren wir dann in einem Freilichtmuseum, was sehr interessant war, denn dort wurden die typischen Hütten der verschiedenen Stämme in Tansania präsentiert, um einen Eindruck von der lokalen Lebensweise zu bekommen. Wir schauten uns die verschieden Hütten an und lasen die Infotexte daneben. Es war wirklich sehr interessant zu sehen, wie die Hütten aufgebaut sind und wir überlegten welche Hütte wir am besten finden, aber es ist trotzdem nochmal ganz anders sich vorzustellen, dass manche Menschen wirklich in solchen Hütten leben. Ich fand es immer sehr dunkel in den Hütten und da sich die Feuerstelle oft im gleichen Raum wie der Schlafplatz befand, war es sehr stickig und roch sehr nach Rauch. Nach einiger Zeit hatten wir alles gesehen und bevor wir das Gelände verlassen konnten kam ein Lehrer auf uns zu, der gerade mit seiner Schulklasse hierher einen Ausflug machte und fragte uns ob wir auf bitte seiner Klasse hin ein Foto mit den Kindern machen würden. Die Kinder hätten so gerne ein Foto mit den beiden Weißen und da wir nicht unhöflich sein wollten stimmten wir zu. Aus einem Foto wurden unzählige denn der Lehrer teilte die Kinder in 3er bis 5er Gruppen ein, die nacheinander ein Foto mit uns machen sollten. Irgendwie sind solche Situationen immer auch lustig aber trotzdem ist es ein komisches Gefühl, eine Attraktion für andere Menschen zu sein. Und wenn ich an Deutschland denke, da würde wohl niemand auf die Idee kommen einen Schwarzen um ein gemeinsames Bild zu bitten.

 
 
 

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