Rund ums Kochen und Essen 🍽️
- Nora Klammt
- 8. Juni 2024
- 5 Min. Lesezeit
In der tansanischen Gesellschaft sind die Frauen für die Zubereitung des Essens verantwortlich, was gut und gern auch mal den ganzen Vormittag in Anspruch nehmen kann. Gekocht wird meist mit Holz oder Kohle über dem offenen Feuer. Das ist auch im Nikolaushaus so. Mit dieser Garmethode dauert es Stunden, eine sättigende Mahlzeit zu produzieren. Da man meistens nur eine Feuerstelle hat bedeutet das auch, dass man die verschieden Komponenten nacheinander kocht. Sogenannte „Hot Pots“, Thermoschüsseln in verschieden Größen mit gut verschließbarem Deckel, halten das ganze warm. Bei uns im Nikolaushaus gibt es auch 2 kleine Gaskocher jeweils im Jungen- und Mädchenhaus. Der Versuch das Kochen darauf umzustellen ist allerdings kläglich gescheitert, da die Mitarbeiterinnen der Küche die Lebensmittel immer sehr lange haben kochen lassen und so in kürzester Zeit viel Gas verbraucht wurde. Ich muss wirklich sagen, die Kartoffeln hier sind für Deutsche eher Kartoffelbrei und auch die Nudeln sind weit entfernt von bissfest. Steht auf der Packung 10 Minuten nimmt man das ganze eigentlich immer doppelt. Aus diesem Grund stellte das Kochen mit Gas keine sinnvolle Alternative dar. Die Gaskocher werden wenn dann nur verwendet um etwas kurz nochmal aufzuwärmen.
Auch die Vorbereitung der Lebensmittel ist zeitintensiv, denn Reis und Bohnen müssen penibel gelesen werden. Wenn man sieht, dass diese Produkte auf großen Planen auf der Erde in der Sonne getrocknet werden, abends zurück in Säcke geschüttet und am nächsten Morgen wieder auf die Planen gelegt werden kann ich verstehen, dass sich da so manches hineinverirrt. Die Bohnen werden nach dem Aussortieren dann in Wasser eingelegt und Kohl oder Spinat müssen geschnitten werden.
Die „Küche“ im Nikolaushaus liegt übrigens wie so oft hier auch außerhalb des Hauses und ist wie ein kleiner Raum, der zu der einen Seite hin offen ist. Eine Arbeitsfläche so wie ich das aus Deutschland kenne gibt es hier nicht wirklich. Die Mamas sitzen auf kleinen Hockern, schnippeln in der Luft und lassen die Zutaten gleich in den Kochtopf oder eine andere Schüssel fallen. Ich helfe auch ab und zu gerne mal in der Küche mit, was echt eine meditative Angelegenheit ist. Nachdem ich den dritten Kohl geraspelt oder ein Dutzend Tomaten kleingeschnitten habe, tut mir dann schon mal der Arm weh, aber schließlich gilt es etliche Kinder und die Mitarbeiter/innen zu versorgen. Aus diesem Grund sind die Töpfe auch riesig und die Holzlöffel sehr lang.
Was ich sehr bewundernswert finde ist, dass die Mamas in der Küche nie einen krummen Rücken haben. Egal ob sie gerade sitzen und schnippeln oder mit einem Handfeger den Boden säubern, immer ist der Rücken durchgestreckt. Zwischendurch wäscht die ein oder andere Mama auch einen Topf mit dem Regenwasser aus dem Tank ab. Das Wasser läuft auf Fußhöhe in die Schüssel und sie steht mit durchgestreckten Beinen da und beugt ihren Oberkörper nach unten mit geradem Rücken um zu waschen. Ich glaube ich würde mich einfach hinknien aber dann wäre meine Haltung natürlich auch nicht so gut.
Wie in vielen afrikanischen Kulturen isst man in Tansania mit den Händen. Dafür sollte man jedoch immer nur die rechte Hand benutzen, denn sie gilt als sauber uns ist somit als Essenswerkzeug geeignet. Vor und nach dem Essen sollte man immer seine Hände waschen. Waschgelegenheiten befinden sich auch in jeder noch so bescheidenen Gaststätte. Hier im Kinderheim gibt es Besteck, was auch meistens verwendet wird. Manche essen auch mit Händen und auch ich habe das vor allem außerhalb des Kinderheims auch schon gemacht. Wenn man auswärts ist kommt vor dem Essen eigentlich immer jemand mit einer Schüssel, Wasser uns Seife an den Tisch damit man sich die Hände waschen kann. In vornehmen Restaurants gab es auch schonmal warme Handtücher zum waschen.
Wenn Margarethe und ich auswärts essen waren haben wir auch immer Einheimische gesehen. Doch selbst wenn es Gerichte der westlichen Küche wie Burger und Pizza gibt, bleiben die Einheimischen bei ihrem gewohnten Essen. Oft wird Hähnchen mit Pommes (kuku na chipsi), Speisen mit Fisch und Ugali oder Reis bestellt. Die Portionen in einheimischen Lokalen sind in meinen Augen immer sehr groß und gerade so zu schaffen.
Was ich interessant finde ist, dass sich die Menschen eigentlich beim Essen zuhause oder auch vor allem bei Buffets nie nachholen. Sie nehmen sich einfach von Anfang an eine große Portion. Auf diesem Essenshaufen wird dann auch meist der Nachtisch (oft Obst) drauf platziert. Hier im Nikolaushaus muss ich mir zum Abendessen auch immer gleich so viel nehmen wie ich essen will, denn sobald sich jeder genommen hat, werden die Töpfe weggebracht oder das Essen ist sowieso alle.
Wie ich es bisher so beobachten konnte sind Tischmanieren hier oft nicht so verbreitet. Oft beobachte ich Leute außerhalb des Nikolaushauses, die im Höllentempo ihr Essen verschlingen. In einem andern Bericht habe ich ja auch schon erwähnt, dass es in Restaurants oft passiert, dass nicht alle Leute einer Runde gleichzeitig ihr Essen bekommen, da es frisch zubereitet wird. Hier nimmt man dann auch in der Regel keine Rücksicht auf die anderen sondern fängt einfach an. Kleckern ist auch soweit ich das mitbekomme kein Problem und oft fällt essen unter den Tisch und es stört keinen. Etwas befremdlich ist für mich auch die Tatsache, dass man sich nicht einen „guten Appetit“ oder Ähnliches wünscht. Hier im Nikolaushaus sagt eine Mama meistens vor dem Essen „Karibu Chakula“ was soviel wie „Willkommen zum Essen“ bedeutet.
Eine Sache möchte ich hier nochmal erwähnen obwohl ich sie schon bei dem Beitrag Kutur 1/2 beschreiben habe.
Es wird nämlich anscheinend grundsätzlich davon ausgegangen, dass Gäste kommen könnten und dementsprechend wird in der Regel auch ausreichend Essen zubereitet. Gastgeber sind bestrebt, das beste Essen auf dem Tisch zu zaubern, auch wenn die Haushaltskasse knapp bemessen ist. Ich gehe davon aus, dass manche Familien auch möglicherweise über ihre Verhältnisse leben, nur um ausländische Gäste zu bewirten.
Wenn man irgendwo eingeladen ist, wird einem höchst wahrscheinlich immer etwas zu essen zu trinken angeboten. Selbst wenn man gerade kein Hunger oder Durst hat, sollte man trotzdem ein paar Bissen zu sich nehmen, um die Hausfrau nicht zu beleidigen. Danach wird es aber auch akzeptiert, nicht mehr weiter zu essen. Es gilt sogar als höflich ein bisschen auf dem Teller zurück zu lassen. Das lässt die Hausfrau wissen, dass genügend Essen da ist und man satt.
Auch, wenn die Lebensmittel nicht so vielfältig wie in Deutschland sind und draußen über dem offenen Feuer gekocht wird, helfe ich trotzdem sehr gerne in der Küche mit. Einmal waren Margarethe und ich auch schon bei Joseph (einem einheimischen Freund) zum kochen eingeladen und haben einiges über die verschiedenen Lebensmittel gelernt. Das war auch sehr spannend. Mein Lieblingsessen wird das tansanische definitiv nicht, aber es ist eine wertvolle Erfahrung ein Jahr so zu leben bzw. zu essen.



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